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EM-Fans stehen unter Beobachtung | 2004-06-10


Lissabon - Die Fußball-Fans bei der EURO 2004 in Portugal werden so gut wie noch nie betreut, aber auch besser bewacht als je zuvor. 380 000 Euro stellt die Europäische Fußball-Union (UEFA) für eine multinational koordinierte Fan-Betreuung zur Verfügung.

Ein Vielfaches wendet der portugiesische Staat auf, um den Hooligans keinen Raum für Gewalttaten zu lassen. Unterstützt werden sie von deutscher Seite durch 20 Beamte der Zentralen Informationsstelle Sporteinsätze (ZIS) in Düsseldorf, die vor Ort auf ihre bekannten Sorgenkinder achtet und im Vorfeld Empfehlungen für Ausreiseverweigerungen während der EM aussprach. Es gibt Verbote, erklärte der stellvertretende ZIS-Leiter Andreas Morbach.

Erwartet werden während der EM bis zu 15 000 Fußball-Anhänger aus Deutschland. Wie viele gewaltbereite Haudraufs dabei sein werden, ist auch für die ZIS, die in ihrer Datei Gewalttäter im Sport rund 3800 Personen gespeichert hat, nicht abzuschätzen. Wir kennen die Problemfans und versuchen gefährliche Situation schnell zu erfassen und sie zu entschärfen, sagte Morbach vor dem Einsatz an der Algarve.

Obwohl die Zahl der Ausschreitungen und Gewalttaten bei Bundesliga-Spielen zurückgegangen ist, gebe es keinen Grund zur Entwarnung. Das Phänomen flackert immer wieder auf, deshalb muss man am Ball bleiben, so Morbach. Schließlich ist die schlimme Randale englischer Fans bei der EURO 2000 und die Tragödie um den bei der WM 1998 fast zu Tode geprügelten französischen Gendarmen Daniel Nivel in Lens durch brutale deutsche Schläger noch in Erinnerung.

Keinen Grund für übertriebene Besorgnis sieht Morbach vor dem EM- Auftakt der Intimfeinde Deutschland und Niederlande in Porto. Es gibt da zwar eine gewisse Rivalität, doch wird vieles zu extrem dargestellt. Das ist ein Mythos, seit 1996 hat es kaum noch Vorfälle bei diesen Begegnungen gegeben, weiß der ZIS-Mitarbeiter.

Die portugiesische Polizei war allerdings auch vorbeugend aktiv: Eine Gruppe von etwa zwei Dutzend niederländischen Hooligans, denen die Einreise verboten wurde, hatten in Gaia bei Porto illegal Hotelzimmer reserviert. Auf behördliche Anordnung wurde die Buchung annulliert. Reserviert sind dagegen Zellen im Gefängnis der Stadt Olhao für Anhänger, die dennoch am Rande der EM über die Stränge schlagen wollen. Damit dies 2188 englische Hooligans nicht tun können, hat die britische Regierung sie nicht ausreisen lassen.

Um nicht nur Eskalationen zu verhindern, sondern den Fußball-Anhängern die EM zu einem Erlebnis zu machen, wurde ein multinationales Projekt (FSI) mit Fan-Betreuern aus sieben Ländern auf die Beine gestellt. Uns geht es darum, den Aufenthalt der Fans so positiv wie möglich zu gestalten. Für sie soll es ein Fest werden, sagt Michael Gabriel, Mitarbeiter der deutschen Koordinationsstelle Fanprojekte (KOS). Und dazu will er mit seinen elf Mitarbeitern tatkräftig beitragen: Eine mobile Fan-Botschaft, ein Feuerwehrbus aus den 50er Jahren, soll an den Spielorten zum Anlaufpunkt deutscher Anhänger werden. Zudem wird ein Notfalltelefon geschaltet und wurde ein Fan-Guide herausgegeben. Die portugiesischen Organisatoren schaffen zudem an den Austragungsstätten Fanzones als zentrale Begegnungsstätten mit Großleinwänden für TV-Übertragungen.


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