Almancil - Die Playstation funktioniert, das Essen schmeckt - doch ausgerechnet das traumhafte Urlaubswetter an der Algarve lässt die deutschen Spieler aufstöhnen. Sonnencreme auftragen und trinken, trinken, trinken, lautete die eindringliche Anweisung der DFB-Mediziner an Kapitän Oliver Kahn und Co.
Allerdings soll der Lieblingsdurstlöscher aller Kicker weitgehend in der Minibar bleiben. Weniger Weißbier, mehr Wasser, berichtete der Berliner Fredi Bobic mit einem schelmischen Grinsen. Klimatisierte Zimmer und Schattenplätze am Pool bieten im Vier-Sterne-Hotel Ria Park Garden ausreichend Fluchtmöglichkeiten vor der Hitze, doch auf dem nur durch eine Zufahrtstraße abgetrennten Trainingsplatz kann niemand der brütenden Sonne entgehen.
Während der hellhäutige Bastian Schweinsteiger nach Sonnencreme verlangte, flog Kapitän Kahn trotz Temperaturen von bis zu 30 Grad im einteiligen Torwart-Strampelanzug den Bällen hinterher. Erst beim Auslaufen zeigte auch er sich in kurzen Hosen und klatschnassem T-Shirt. Im Urlaub wäre die Hitze angenehm, beim Training nicht, bemerkte der Leverkusener Bernd Schneider: Aber die Spiele finden ja zum Glück abends statt.
Nach dem Training zogen sich die Spieler sofort wieder ins Hotel zurück, das durch einen Sicherheitsdienst vor neugierigen Fans und Reportern abgeschirmt wird. Trotzdem legte Völler Wert auf die Feststellung: Es ist keine Kaserne. Urlaubsstimmung werde aber trotz der Annehmlichkeiten wie dem nahen Strand und den Golfplätzen nicht aufkommen, versicherte der Teamchef, obwohl er zugab: Die EM ist nun mal in Portugal und nicht in Sibirien.
Trotzdem bevorzugen die Spieler natürlich mindestens zwei Wochen EM-Dienst in Faro gegenüber einem Arbeitseinsatz in Nowosibirsk. Das Hotel ist hervorragend, der Platz auch. Es ist alles optimal hier, berichtete Dietmar Hamann. Allerdings ließen zwei Trainingseinheiten am ersten Tag kaum Zeit für die vielen Annehmlichkeiten. Man steht morgens auf, frühstückt, trainiert, isst zu Mittag, legt sich kurz hin und trainiert wieder, schilderte Hamann den Ablauf des ersten Tages nach der Ankunft.
Und auch wenn die so beliebte Playstation anders als noch vor zwei Jahren bei der WM in Japan sofort ihren Dienst tat, sind die Trainingsbedingungen von größerer Bedeutung. Und der kurze Weg zum Platz ist das Beste, lobte Arne Friedrich: Wir können hier gute Arbeit leisten. DFB-Direktor Bernd Pfaff, der das Quartier gemeinsam mit Völler ausgesucht hatte, sah jedenfalls nach nicht einmal 24 Stunden im Quartier alle Wünsche als erfüllt an, und kleinere Probleme könnten jederzeit behoben werden: Da kann auch mal ein Föhn fehlen auf dem Zimmer. Das Wichtigste ist, dass der Platz in Ordnung ist.
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