Winden im Elztal - Über eine Stunde gelang ihm so gut wie nichts, dann löste Kevin Kuranyi in nur 22 Minuten mit seinem ersten Doppelpack im Nationaltrikot das Ticket für die EM-Startelf gegen die Niederlande.
Mit seinen Länderspiel-Toren drei und vier beim 2:0 gegen die Schweiz avancierte der Stuttgarter nicht nur zum Gewinner des Abends, sondern auch zum Ehrenretter für die weiterhin größte Problemzone im Team des Vize-Weltmeisters. Wir Stürmer müssen uns Selbstvertrauen für die Europameisterschaft holen - das habe ich heute getan, freute sich Kuranyi über seine Erfolgserlebnisse.
Rudi Völler stellte Kuranyis Doppelschlag mit Fuß (62.) und Kopf (84.) ebenfalls in einen übergeordneten Zusammenhang. Das tut nicht nur dem Kevin gut, das tut uns allen gut, dass man torgefährliche Stürmer hat, meinte der Teamchef. Völler fiel ein Stein vom Herzen, weil nach nur einem Stürmer-Tor von Fredi Bobic beim Schützenfest gegen Malta (7:0) Kuranyis doppeltes Erfolgserlebnis in Basel den Diskussionen um den lauen Angriff ein wenig die Schärfe nahm.
Der Druck ist groß, der auf Kuranyi und Co. lastet: Es ist in letzter Zeit viel Schlechtes über die Stürmer geschrieben worden, bemerkte der Stuttgarter: Ich hoffe, dass in den nächsten Spielen auch die anderen Stürmer treffen und sich Selbstvertrauen holen. Bei ihm selbst zahlte sich Völlers besondere Aufmerksamkeit bereits aus: Der Trainer hat für uns Torjäger sehr viel Training gemacht.
Der 22-Jährige ist nun wohl gesetzt für das erste EM-Spiel am 15. Juni in Porto, zumal Völler den Turnier-Neuling vor einer großen Zukunft sieht. Kevin weiß manchmal noch gar nicht, was er für ein Potenzial in sich hat, sagte der ehemalige Weltklassestürmer Völler. Vom Lieben Gott hat er eine enorme Schnelligkeit in die Wiege gelegt bekommen, das muss er noch extremer umsetzen, forderte der Teamchef. Seine Nummer 1 im Angriff ist er nicht erst seit der Parie gegen die Schweiz: In den letzten acht seiner insgesamt erst 12 Länderspiele stand Kuranyi immer in der Anfangself.
Der Kampf um den zweiten Stürmer-Platz bleibt dagegen umkämpft. Miroslav Klose, eigentlich Völlers Favorit, ist nach seiner Knieverletzung noch weit von der Normalform entfernt. Bis auf die gelungene Vorarbeit zum 1:0 - unmittelbar vor seiner Auswechslung - enttäuschte der Lauterer, dessen schäfster Konkurrent der in Basel pausierende Bobic (Ischiasbeschwerden) ist. Thomas Brdaric, der Klose gegen die Schweiz ablösen durfte, und der 18-Jährige Lukas Podolski sind bei der Sturm-Lotterie Zwei aus Fünf die Joker.
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