Bochum - Für Helmut Schulte sind die Finalspiele bei der Fußball-Europameisterschaft der U-21-Junioren in Deutschland Pflichttermine.
Der Chef-Scout des Bundesligisten FC Schalke 04 wird genau hinschauen, wenn die Nachwuchskicker aus Schweden und Portugal in Oberhausen um den dritten Platz spielen und anschließend in Bochum Serbien-Montenegro und Italien den Europameister ermitteln. Die U-21-EM ist für meine Berufsgruppe das wichtigste Turnier überhaupt, sagt Schulte.
Die Aufgabe des 46 Jahre alten ehemaligen Bundesliga-Trainers (Schalke, Dresden, St. Pauli) ist es, zu prüfen, ob Talente jetzt oder später für eine Verpflichtung durch seinen Verein in Frage kommen. Gemeinsam mit seinem Assistenten, dem ehemaligen niederländischen WM-Teilnehmer Adrie van Kraay, hat Schulte bisher jedes EM-Spiel unter die Lupe genommen. In der U-21 sind die Spieler ausgereifter als je zuvor. Defizite und herausragende Fähigkeiten können genau analysiert werden, meint Schulte, der auch regelmäßiger Gast bei internationalen Turnieren ab dem U-17-Bereich ist.
Schulte ist dabei nicht allein. Etwa 60 Vereine aus ganz Europa haben ihre Späher für das Turnier in Deutschland akkreditiert. Weil diese Gruppe jedes Jahr größer wird, hat die UEFA als Ausrichter in jedem Stadion erstmals einen separaten Sitzblock für Scouts eingerichtet. Eine prima Sache sei das, findet Schulte, der schlechtere Arbeitsbedingungen kennt und schon lange dafür plädiert, dass seine Berufssparte von offizieller Seite besser behandelt wird.
Um besser klar zu kommen, haben sich die Scouts längst zusammengeschlossen. Es gibt eine regelrechte vereinsübergreifende Scout-Community. Wir empfehlen uns gegenseitig Hotels und bilden mit Leihwagen Fahrgemeinschaften, sagt Schulte. Natürlich tausche man sich auch über die gesichteten Spieler aus. Unter Scouts gibt es keine Geheimnisse, glaubt Schulte. Jeder sieht das gleiche Spiel, 90 Prozent der Beurteilungen über die Talente seien identisch. Sehr interessant sei dafür der Smalltalk mit den Kollegen: Da erfährt man immer, welche Spieler und Trainer bei ihren Vereinen unzufrieden sind und wechseln wollen.
Schulte sieht sich in seiner Funktion nicht als Entdecker. Sein Job sei es eher, Transfers zu verhindern. Nicht nur Schalke werden regelmäßig jede Menge Fußballer aus dem In- und Ausland angeboten. Mit einem Blick in meine Computer-Datenbank kann ich dann direkt die Entwicklung des Spielers über Jahre zurück verfolgen und ein fundiertes Urteil abgeben, berichtet Schulte. Ein Scout mache sich vor allem bezahlt, wenn er seinem Manager von einem überhasteten Geschäft abraten kann.
Eine Stunde verbringt er nach jedem Spiel damit, die gewonnenen Erkenntnisse in den Computer einzuspeisen. Die Datenbank ist im Internet, wir haben darauf weltweit Zugriff, sagt Schulte stolz. Nach der EM ist für ihn schon wieder vor der EM. Vom 13. bis 24. Juli wird in der Schweiz die Europameisterschaft der U-19-Junioren austragen. Schulte trifft dann seine Kollegen im Scoutingblock wieder.
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