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Völlers Gewitter vor dem Abflug in die Sonne | 2004-06-09


Almancil - Mit dem Umzug ins EM-Land Portugal hat Rudi Völler die Warnungen an sein Personal verschärft und die Schweiß treibende Arbeit intensiviert.

Beim Wiedersehen nach zwei Tagen Heimaturlaub machte der Teamchef noch vor dem Abflug ins sonnige Quartier an der Algarve deutlich, dass nach dem Ungarn- Debakel der Konkurrenzkampf um die Plätze beim Turnier-Start gegen die Niederlande offener ist denn je. Ich muss das Zeichen spüren: Bitte Trainer, stell mich auf, ich bin genau der Richtige, appellierte Völler an die 23 Auserwählten und schloss unmissverständlich an: Wenn das nicht so ist, haben wir genügend andere, die die Lücke gerne schließen werden.

Unmittelbar nach der Ankunft am frühen Abend im Ria Park Garden, 20 Autominuten vom Flughafen Faro entfernt, ließ Völler seine Spieler zu einer zusätzlichen Trainingseinheit antreten, nachdem bereits kurz vor dem Abflug in Frankfurt trainiert wurde. Jetzt gehe es ans Eingemachte, erklärte Völler kämpferisch.

Schon beim dreistündigen Flug hatten in der Sondermaschine LH4560 in erster Linie Miroslav Klose, Torsten Frings, Fredi Bobic und Jens Nowotny Gelegenheit, über die Warnungen des Teamchefs nachzudenken. Vor allem von diesem Quartett, das beim 0:2 gegen die Ungarn besonders enttäuscht hatte, erwartet Völler in den Übungseinheiten auf dem bestens präparierten Privat-Trainingsplatz unmittelbar neben dem Mannschaftshotel nun mehr Engagement.

Ich werde im Training und in Gesprächen die Spieler genau beobachten, ob das Ungarn-Spiel ein einmaliger Ausrutscher war oder ob ich den Eindruck habe, dass das noch einmal passieren kann, sagte Völler, der allerdings nicht die komplette Mannschaft umkrempeln will: Das wäre Aktionismus.

Allerdings beschäftigt sich der 44-Jährige inzwischen sogar mit taktischen Korrekturen wie der Rückkehr von der modernen Viererkette zur Dreier-Abwehrreihe, mit der die DFB-Auswahl vor zwei Jahren Vize- Weltmeister geworden war. Ich weiß, dass wir die Viererkette spielen können. Aber das hängt auch von der körperlichen und mentalen Fitness der Spieler ab, sagte Völler. Auch bei den Spielern wird offen über die beste Defensiv-Form diskutiert. Man muss flexibel sein und dies davon abhängig machen, mit wie vielen Spitzen der Gegner agiert, sprach sich Christian Wörns gegen ein starres Festhalten an der Viererkette aus.

Völler machte am ersten Tag der unmittelbaren EM-Vorbereitung einen entschlossenen Eindruck und versprühte demonstrativ Zuversicht: Meine Gemütslage ist sehr, sehr gut. Daran änderte auch der Umstand nichts, dass noch immer fast die Hälfte des Personals mit Transfer- und Vertragsfragen beschäftigt ist. Lediglich der zuletzt vereinslose Christian Ziege präsentierte von den Spekulationsobjekten mit dem Zwei-Jahres-Vertrag bei Borussia Mönchengladbach geregelte Verhältnisse.

In der Luft hängt dagegen weiterhin Michael Ballack, der keinerlei Auskunft über den Stand der Verhandlungen mit dem FC Barcelona machen wollte. Dafür rief Völler allen in Erinnerung, dass das vom DFB komplett bis zum Finale gebuchte Vier-Sterne-Quartier Tabuzone für Manager und Spielerberater ist. Natürlich wird weiterhin über Transfers spekuliert werden, aber in unserer Gruppe wird das kein Thema mehr sein. Da zählt nur noch die EM, betonte Völler, der die Spieler während des Kurzurlaubs bewusst in Ruhe gelassen hatte. Auch von Seiten der Profis habe es keinen Gesprächbedarf gegeben: Keiner hat sich bei mir gemeldet.

In der EM-Residenz in Vale do Garrao dauerten bis zur letzten Stunde die Vorbereitungsarbeiten für den hohen Fußball-Besuch. Das ist das Beste, was man kriegen kann, sagte DFB-Direktor Bernd Pfaff über das 20000 Quadratmeter große Areal, in dem es den Profis an nichts fehlen wird. Neben zwei Schwimmbecken, einem Fitnessraum, Sauna und Whirlpool locken auch ein Dutzend Golfplätze und die nahen Strände. Unter Anweisung von DFB-Chefkoch Heinz Imhoff sind sechs Köche für das leibliche Wohl der Spieler verantwortlich, die rund um die Uhr von einem einheimischen Wachdienst beschützt werden.

Neben den 23 EM-Spielern haben vier Trainer und 16 Betreuer im abgeschotteten Ria Park Garden Quartier bezogen. DFB-Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder wird wegen anderer Termine erst in der kommenden Woche zur deutschen Mannschaft stoßen, die Rolle des Delegationsleiters übernimmt bis dahin der DFL-Vorsitzende Werner Hackmann.


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