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Frische Stars: Zidane & Co. fit für die EM-Show | 2004-06-10


Lissabon - Fußball-Europa darf sich auf ein stimmungsvolles und spannendes Championat freuen. Während bei der WM 2002 in Japan und Südkorea ausgelaugte Stars und schwächelnde Favoriten das Bild trübten, startet die 12. Auflage einer EM-Endrunde in Portugal unter ganz anderen Vorzeichen.

Dieses Mal gehen die besten Profis verheißungsvoll frisch ins Rennen - und das gleich aus mehreren Gründen. Durch das vorzeitige Ausscheiden der Spitzenclubs Real Madrid, Manchester United oder Bayern München in den Europapokal-Wettbewerben war die Belastung für Zidane, Beckham, Figo, Raul, Ballack & Co so gering wie schon lange nicht mehr. Und außerdem erhielten alle Teams bedingt durch den relativ späten Turnierstart zwei Wochen mehr Vorbereitungszeit als vor der WM.

Die Voraussetzungen für ein hochklassiges Turnier sind daher gegeben, ebenso vielversprechend sind die in einem Joint Venture zwischen Europäischer Fußball-Union (UEFA) und portugiesischem Verband geschaffenen Rahmenbedingungen. Mit einer bemerkenswerten Improvisationskunst haben die nach Fußball förmlich verrückten Portugiesen ihr Land reif für die EM gemacht und dabei viele Skeptiker eines Besseren belehrt. Zehn schmucke Arenen - sieben neu erbaut und drei von Grund auf renoviert - stehen längst bereit. Das ist viel mehr, als für die rund zehn Millionen Einwohner in Zukunft nötig sein wird. Mit knapp einer Milliarde Euro waren sie zudem viel teurer als geplant. Doch danach fragt in diesen Tagen niemand mehr, auch nicht nach dem Schiedsrichter-Korruptionsskandal, der das Land vor gut einem Monat erschüttert hatte.

Viel lieber freuen sich die Portugiesen auf das größte Sportfest ihrer Geschichte. Allerdings droht der Party von Braga bis Faro ein jähes Ende, wenn die eigene Mannschaft den hohen Erwartungen nicht gerecht wird. Auf der von Brasiliens Trainer Felipe Scolari trainierten Elf mit ihrem Superstar Luis Figo lastet deshalb ein immenser Druck, verstärkt noch durch den Champions League-Gewinn des FC Porto. Doch die Nationalmannschaft hat in den letzten Wochen und Monaten selten geglänzt und zählt deshalb ebenso wenig zu den Top- Favoriten wie die deutsche Mannschaft.

Die Formation von Rudi Völler, trotz Vize-Weltmeisterschaft seit drei Jahren ohne Sieg gegen eine Top-Mannschaft und zuletzt sogar von Rumänien (1:5) und Ungarn (0:2) düpiert, hat international kaum noch Kredit. Nur die eigene Bevölkerung, angefangen von Bundeskanzler Gerhard Schröder bis zu Formel 1-Star Michael Schumacher, glaubt unverdrossen an den Mythos der deutschen Turniermannschaft, die im Ernstfall die typisch deutschen Tugenden wie Einsatz, Kampfgeist, Laufbereitschaft abruft und damit die spielerischen Defizite überdeckt.

Angesichts der gravierenden Mängel, die die DFB-Auswahl in den vergangenen zwei Jahren offenbart hat, erscheint dies nur als vage Hoffnung. Eher droht gegen die Niederlande, Tschechien und Lettland ein Debakel wie 2000, als das deutsche Team sieglos nach der Vorrunde nach Hause und Erich Ribbeck in die Wüste geschickt wurde. So weit will es Völler nicht kommen lassen. Wir haben eine Mannschaft, die man erst einmal schlagen muss bei der EM, sagt der Teamchef: Da werden sich viele noch umschauen.

Im Finale aber erwartet die Fachwelt am 4. Juli nicht Deutschland, sondern die erneute Krönung Frankreichs. Knapp jeder zweite Bundesliga-Profi ist davon überzeugt, dass es der Grande Nation als erster Mannschaft überhaupt gelingen wird, den EM-Titel zu verteidigen und als dreifacher Titelträger mit Rekord-Europameister Deutschland gleichzuziehen. Die Equipe tricolore, die vor vier Jahren in Rotterdam durch ein Golden Goal von David Trezeguet triumphierte, geht nach einer Serie von 18 Spielen ohne Niederlage mit immensem Selbstvertrauen ins Turnier. Das war allerdings vor zwei Jahren nicht anders - und trotzdem flogen die Franzosen nach einer blamablen WM-Vorrunde wieder nach Hause.


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