Albufeira - Aus dem deutschen Lager kommen die ersten verbalen Giftpfeile, doch das Starensemble der Niederlande hat vor dem Duell mit dem Erzrivalen genug mit eigenen Problemen zu kämpfen.
Nach einer Vorbereitung voller Zwist und Zoff sorgte der wie Roy Makaay für das Auftaktspiel gegen die DFB-Auswahl nicht für die Startelf vorgesehene Stürmer Patrick Kluivert für neue Misstöne. Ich hätte ihm gerne meine Meinung über die Taktik gesagt. Aber ich war bei dem Gespräch ja nicht eingeladen, sagte der Angreifer vom FC Barcelona gut 48 Stunden vor dem Spiel gegen Deutschland. Advocaat hatte Mitte der Woche mit dem vierköpfigen Mannschaftsrat die Taktik des Oranje-Teams für die Fußball-Europameisterschaft festgelegt.
Auf die Aussagen Kluiverts angesprochen reagierte Advocaat ungehalten. Wenn er ein Problem hat, muss er einfach nur zu mir kommen, sagte der Bondscoach. Statt den zuletzt formschwachen 79- maligen Nationalspieler und Rekord-Torschützen (40 Länderspiel- Treffer) in seine Überlegungen mit einzubeziehen, hatte Advocaat unter anderen auch Ruud van Nistelrooy zu der Sitzung hinter geschlossenen Türen gebeten. Der Stürmerstar von Manchester United wird gegen Deutschland die Position als einzige zentrale Spitze einnehmen.
Neuen Ärger in seinem Team hatte Advocaat unbedingt vermeiden wollen. Durch die Querelen der missratenen Vorbereitung startet die sonst hoch gelobte Elftal in Portugal mit so wenig Selbstvertrauen wie nie zuvor in ein großes Turnier. Immerhin hat Advocaat mittlerweile seine Startformation ausgeklügelt. Ich habe mein Team im Kopf, sagte der Bondscoach, nannte jedoch keine Details. Seine verunsicherten Spieler haben aus Angst vor einer Pleite aber offenbar schwere Beine. Wir müssen ganz genau aufpassen, dass wir bloß keine Fehler machen, warnte Makaay.
Über den vor einigen Wochen noch eher belächelten Gegner, ist im Trainingscamp von Albufeira kein überhebliches Wort zu hören. Scharfe Töne wie von Makaays Münchner Kollegen Michael Ballack traut sich von den Niederländern keiner zu. Sie waren bei der letzten WM nicht dabei, deshalb stehen sie besonders unter Druck. Sie haben besondere individuelle Fähigkeiten, aber den Beweis haben sie zuletzt nicht erbracht. Als Mannschaft scheinen sie nicht immer einer Meinung zu sein, sagte Ballack und legte damit den Finger in die Wunde.
Statt sich wie gewohnt auf die eigene Kreativität und Spielfreude verlassen zu können, sind die Niederländer durch die ständigen Rochaden ihres Trainers verunsichert. Eine Auftakt-Niederlage ausgerechnet gegen den ungeliebten Nachbarn würde die skeptische Stimmung in der Heimat in einen Orkan der Empörung verwandeln. Bei uns ist die Stimmung durch die Niederlagen in den Testspielen gedrückt, gestand van Nistelrooy.
Advocaat wirkt vor einem seiner wichtigsten Spiel als Bondscoach zunehmend gereizt und will sich nicht mehr in die Karten schauen lassen. Für Sonntagabend hatte er nochmals ein Geheimtraining angesetzt. Zuvor hatte er außer Andy van der Meyde nur Reservespieler zur Pressekonferenz beordert, was sich im Falle von Kluivert jedoch als Fehler herausstellte.
Die kritischen Kommentare reißen derweil auch in der Heimat nicht ab. Nun meldete sich Huub Stevens zu Wort: Die Spieler wollen immer nur alles brillant machen. Sie können es sich nicht vorstellen, auch mal einen Ball auf das Tribünendach zu hauen. Was aber ab und an mal nötig ist, sagte der Ex-Coach von Hertha BSC und Schalke 04 in einem Interview der Berliner Morgenpost.
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