dpa: War das ein guter Start in die EM?
Kahn: Ich denke, wir haben in der ersten Halbzeit eine der besten Halbzeiten gespielt seit dem WM-Finale 2002 gegen Brasilien. Da haben wir die Holländer fast beherrscht. In der zweiten Halbzeit haben wir zu wenig Entlastung nach vorne gehabt. Und wenn du gegen eine Mannschaft mit so vielen Klassespielern das zweite Tor nicht machst, musst du immer zittern. Das ist ganz normal. Die Engländer haben es bei ihrem 1:2 gegen Frankreich erfahren müssen, was es heißt, das zweite Tor nicht zu machen.
dpa: Sie hätten sich zum 35. Geburtstag sicherlich einen Sieg gewünscht, war das 1:1 trotzdem ein kleines Geschenk?
Kahn: Es ging hier nicht um ein Geschenk, sondern darum, gut ins Turnier zu starten, nicht gleich mit einer Niederlage, denn dann hätten wir enorm unter Druck gestanden. Ich denke, es war ein ganz guter Start, der uns alle Möglichkeiten lässt für die nächsten zwei Spiele.
dpa: War es besonders ärgerlich, durch so einen vermeidbaren Fehler den Ausgleich zu kassieren?
Kahn: Ja, du darfst den Ball natürlich da an der Eckfahne nicht verlieren. Aber die Holländer haben sehr viel Druck gemacht und haben alles nach vorne geschmissen, da kommt es zwangsläufig zu Fehlern. Dann kommt das Tor, das van Nistelrooy natürlich weltklasse macht.
dpa: War die erste Halbzeit, taktisch und in der Umsetzung, am Limit der Mannschaft?
Kahn: Nein, aber das war schon mal das, was möglich ist, wenn man eine Ordnung hat. Das ist mit unseren Spielern das Allerwichtigste, dass wir hinten kompakt stehen. In der ersten Halbzeit haben wir fast gar keine Torchance zugelassen - und das ist unser Spiel. Das ist das Spiel, das wir hier bei dieser EM zeigen müssen. Dann wird es ganz, ganz schwierig, uns zu schlagen.
dpa: Könnte diese Taktik und Spielweise ein Modell für die weiteren Spiele sein?
Kahn: Was heißt Modell? Wenn wir so spielen, ist es schwer, gegen uns durchzukommen. Es gibt eigentlich keinen Grund, diese Taktik zu verändern. Ich glaube nicht, dass wir uns von diesem Stil noch einmal abbringen lassen.
dpa: Sind die angeblich so großen Holländer nach diesem Spiel etwas kleiner geworden?
Kahn: Ich glaube, das entscheidende Zeichen war, als die Holländer das 1:1 machten. Ich dachte, jetzt kommen die mit Mann und Maus und versuchen, das 2:1 zu erzielen. Aber da haben die sich auf einmal hinten reingestellt und waren zufrieden. Das allein sagt alles aus über den Respekt, den die vor uns hatten.
Klaus Bergmann und Jens Mende, dpa
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