Porto/Braga - Nach der Sperre für den spuckenden Spielmacher Francesco Totti fürchten Italiens Fußballer die sportliche Schande, Schweden und Dänemark visieren dagegen schon vor dem skandinavischen Derby der Gruppe C das EM-Viertelfinale an.
Vor dem Schlüsselspiel gegen Schweden in Porto stehen die Italiener mit dem Rücken zur Wand. Totti ist für drei Spiele verbannt, Trainer Giovanni Trapattoni steht unter Beschuss und das Team ist nach dem 0:0 gegen Dänemark verunsichert. Dank der 5:0-Gala gegen Bulgarien treten die Tre Kronors dagegen ebenso selbstbewusst auf wie die Dänen, die in Braga auf die Bulgaren treffen.
Vize-Europameister Italien muss improvisieren: Mit Juventus Turins Star Alessandro Del Piero als Totti-Ersatz in der Spielmacherrolle, Marco di Vaio hinter Christian Vieri im Sturm und Milans Gennaro Gattuso im Mittelfeld will Trapattoni das Ruder herum reißen. Dabei hofft der 65-Jährige, dass seine Spielern nach der Hitze in Guimaraes diesmal nicht die Angst vor dem drohenden Scheitern lähmt.
Ein Aus nach den Gruppenspielen wäre eine Schande, sagte Gattuso. Schweden ist noch stärker als Dänemark, fürchtete Abwehrstar Alessandro Nesta. Azzurri-Kapitän Fabio Cannavaro machte aber trotz aller Probleme klar: Italien hat keine Angst. Der zweifache Torschütze Henrik Larsson warnte ebenso wie Antreiber Fredrik Ljungberg jedoch vor schwedischer Überheblichkeit. Die Italiener sind alle stark, das wird ein völlig anderes Spiel, sagte Ljungberg. Italiens Weltklassestürmer dürften nicht so viel Raum wie die Bulgaren bekommen, forderte Schwedens Trainer Lars Lagerbäck. Ihm fehlt nur Teddy Lucic wegen einer Rippenquetschung.
Die Dänen konnten zwar auch gegen den dreimaligen Weltmeister nicht ihre EM-Torflaute beenden, wollen nach vier Endrunden-Spielen ohne Treffer nun aber gegen Bulgarien einnetzen und das Tor zum Viertelfinale weit aufstoßen. Mit uns kann man wieder rechnen. Die Partie gegen Italien hat doch gezeigt, dass wir auch mit großen Teams mithalten können, sagte der Schalker Bundesliga-Profi Ebbe Sand.
Vor allem die couragierte Leistung beschert dem Europameister von 1992 gute Aussichten, zum vierten Male die Runde der letzten acht Teams zu erreichen. Trainer Morten Olsen kann gegen Bulgarien wieder auf zwei Stammspieler zurückgreifen. Thomas Gravesen hat seine Sperre abgesessen, und Jesper Grönkjaer ist nach einem Trauerfall seit Dienstag wieder beim Team in Portugal. Ob Olsen beide Profis in die Startelf beruft, ist nach dem Auftritt des restlichen Teams fraglich.
Bulgariens Coach Plamen Markow musste nach der Schlappe gegen Schweden Aufbauarbeit betreiben. Physisch ist die Mannschaft in guter Form, mental nicht, sagte Markow. Noch sind wir nicht ausgeschieden, aber es wird nun natürlich sehr schwer für uns. Der frühere Bundesliga-Profi Krassimir Balakow, der dem Nationalteam bei der EM als Berater zur Seite steht, sprach vor allem den jungen Spielern Mut zu. Eine Niederlage kann auch stark machen. Wir haben 1994 auch unser erstes WM-Spiel 0:3 verloren und sind dann noch ins Halbfinale eingezogen, sagte Balakow und forderte: Wir müssen uns in den beiden restlichen Spielen ordentlich verkaufen.
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