Lissabon - Otto Rehhagel steht mit der griechischen Fußball-Nationalmannschaft vor der Vollendung des EM-Wunders, Gastgeber Portugal und Spanien wollen im brisanten iberischen Derby den bitteren Vorrunden-K.o. vermeiden.
Ein Punkt in Faro gegen das schon ausgeschiedene Russland reicht der als krasser Außenseiter in die Endrunde gestarteten Rehhagel-Truppe für den Einzug ins Viertelfinale der Europameisterschaft und den größten Erfolg in der griechischen Fußball-Geschichte.
Die Hellenen haben vor dem letzten Spieltag der Gruppe A als Tabellenerster die günstigste Ausgangsposition. Gewinnen muss in Lissabon indes Gastgeber Portugal gegen den Nachbarn. Durch Unentschieden würden Spanien und Griechenland aus eigener Kraft in die Runde der besten Acht einziehen. Verlieren die Griechen allerdings höher als Spanien gegen das Gastgeberland, wäre die EM für sie mit einem Schlag beendet - allerdings auch nur dann.
Diese Chance müssen meine Jungs nutzen, betonte Rehhagel, nachdem die Griechen unter ihm nach 24 Jahren erstmals wieder in eine EM-Endrunde eingezogen waren. Allerdings plagen den deutschen Coach Personalsorgen: Mittelfeldspieler Stilianos Giannakopoulos dürfte wegen einer Wadenzerrung ausfallen, Abwehrchef Traianos Dellas plagen Oberschenkelprobleme. Nicht zur Verfügung steht nach zwei Gelben Karten Defensiv-Mann Georgios Karagounis.
Der letzte griechische Sieg über die Russen, bei denen Torwart Sergej Owtschinnikow und Ersatz-Kapitän Alexej Smertin gesperrt sind, liegt mehr als zehn Jahre zurück. Wir sollten uns jetzt keinen dicken Kopf machen, sondern einfach beweisen, dass die Ergebnisse gegen Portugal und Spanien kein Zufall waren, meint Abwehrspieler Michail Kapsis.
Der 35. iberische Vergleich im Estádio Jose Alvalade ist die bisher brisanteste Begegnung der EM. Das ist wie ein vorweggenommenes Endspiel, das keiner haben wollte. Das wird ein Superspiel, sagt Portugals Stürmer Pauleta. Niemand von uns wollte dort antreten, ohne schon vorher das Weiterkommen geschafft zu haben, meint Spaniens Angreifer Fernando Morientes.
Der letzte Sieg der Portugiesen liegt exakt 23 Jahre zurück. Im vorigen September verloren sie in einem Testspiel in Guimaraes 0:3 gegen Spanien. Statistiken spielen für die Akteure beider Seiten aber keine Rolle. Wir müssen Charakter zeigen, wir müssen vorsichtig sein, denn das wird eine ganz heiße Kiste, sagt Portugals Mittelfeldspieler Francisco Costinha.
Wichtig wird die Partie auch für beide Trainer: Luiz Felipe Scolaris auslaufender Vertrag in Portugal dürfte bei einem Ausscheiden kaum verlängert werden. Sein spanischer Kollege Inaki Sáez hat zwar einen gerade bis zur WM 2006 verlängerten Kontrakt in der Tasche, doch spanische Medien rechnen im Fall des Ausscheidens mit seinem Abschied. Dass es im letzten Spiel um alles geht, ist nicht dramatisch. Spanien ist es gewohnt, dass es bei solchen Turnieren seine Chancen im letzten Moment wahrnehmen muss., sagte Sáez, der den gesperrten Carlos Marchena und voraussichtlich den verletzten Joseba Etxeberria ersetzen muss.
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