Lissabon - Die Disziplinarkommission der Europäischen Fußball-Union (UEFA) hat mit zwei Freisprüchen weitere Skandale von der EM abgewendet.
Dem Schweizer Nationalspieler Alexander Frei konnte aus Mangel an Beweisen das Anspucken eines Gegenspielers nicht nachgewiesen werden. Allerdings soll eine erst nach dem UEFA-Spruch aufgetauchte Fernsehaufzeichnung Frei nun erneut belasten. Im zweiten Fall kam der kroatische Nationalspieler Ivica Olic trotz eines positiven Doping-Tests nach dem EM-Spiel gegen Frankreich ohne Sperre davon.
Der 24 Jahre alte ehemalige Stürmer von Hertha BSC wurde der Einnahme der verbotenen Substanz Methylprednisolon überführt. Es ist in einem Schmerzmittel enthalten. Es wurde Olic von Mannschaftsarzt Boris Nemec nach einer am 5. Juni im EM-Testspiel gegen Dänemark erlittenen Rippenverletzung verordnet, allerdings ohne Hinweis darauf, dass es auf der Liste der unerlaubten Doping-Mittel steht. Den Profi von ZSKA Moskau selbst treffe kein Verschulden, stellte die UEFA fest. Dafür verwarnte der Verband die verantwortlichen Mediziner und belegte Kroatien mit einer Geldstrafe von 6600 Euro.
Nach der UEFA-Entscheidung kann der 24 Jahre alte Stürmer Alexander Frei für die Schweiz im letzten Spiel der Gruppe B gegen Titelverteidiger Frankreich eingesetzt werden. Der Vorwurf, er habe im letzten EM-Spiel gegen England (0:3) in der 77. Minute seinen Gegenspieler Steven Gerrard in den Nacken gespuckt, konnte bei der Verhandlung der Disziplinarkommission nicht erhärtet werden. Die Beweise waren nicht schlüssig genug. Deshalb wurde das Verfahren geschlossen, erklärte UEFA-Sprecher Rob Faulkner.
Allerdings sind wenige Stunden nach dem UEFA-Urteil im Schweizer Fernsehsender DRF neue Aufnahmen ausgestrahlt worden, die Frei eindeutig beim Spucken zeigen sollen. Uns ist bekannt, dass es diese Aufnahmen gibt. Doch es ist noch zu früh zu sagen, ob diese ausreichen, das Verfahren neu aufzurollen, erklärte Faulkner auf dpa-Anfrage. Zuvor hatten weder die vom ZDF zur Verfügung gestellte Fernsehaufzeichnung noch Stellungnahmen von Gerrard und dem englischen Mannschaftskapitän David Beckham die Anschuldigungen bestätigen können.
Nicht so glimpflich davon gekommen war vier Tage zuvor der Italiener Francesco Totti, der von der UEFA mit einem Bann für drei Spiele bestraft wurde. In seinem Fall hatten TV-Bilder zweifellos seine Spuck-Attacke gegen den Dänen Christian Poulsen belegt. Der beim französischen Erstligisten Stade Rennes spielende Frei hatte nach Bekanntwerden der Vorwürfe stets seine Unschuld beteuert. Ich tue so etwas nie, sagte Frei vor der fünfstündigen UEFA-Verhandlung, an der er selbst nicht teilnehmen musste. Er sei zwar kein Engel, so Frei, dies entspreche aber nicht meinem Charakter.
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