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Tschechiens Fußballer obenauf | 2004-06-24


Lissabon - Die als B-Elf titulierten Teilzeitarbeiter Tschechiens haben mit ihrem 2:1 (1:1)-Erfolg nicht nur Deutschland den EM-K.o. versetzt, sondern sich selbst und ihre für das Viertelfinale geschonten Kollegen endgültig zum heißen Anwärter auf den Turniersieg in Portugal gemacht.

Nach dieser Leistung war ein wenig Schadenfreude erlaubt. Torschütze Marek Heinz stolzierte voller Genugtuung vom Platz, und selbst Ersatzmann Tomas Rosicky konnte sich ein Dauer-Grinsen nicht verkneifen. Alles ist möglich. Wir können jede Mannschaft in Europa schlagen. Wir können jetzt mit voller Kraft auf die Dänen gehen, betonte Rosicky nach dem Sieg in Lissabon.

Etwas verhaltener als der Profi von Borussia Dortmund äußerte sich Trainer Karel Brückner über die Chancen des Vize-Europameisters von 1996. Turnier-Favorit? Das glaube ich nicht, sagte der 64-Jährige. Gegen Dänemark wird der nach Karl Mays Apachen-Figur Klekipetra benannte Coach in Porto in jedem Fall wieder auf seine Häuptlinge um Pavel Nedved setzen. Dabei hatten die neun Ersatzmänner eine überzeugende Leistung gezeigt und den Tschechen als einzigem EM-Team mit dem dritten Sieg die Maximal-Ausbeute von neun Vorrunden-Punkten beschert.

Es gibt keine A- oder B-Mannschaft. Wir sind ein Team. Das ist unsere Stärke. Keiner wird murren, wenn er auf die Ersatzbank zurück muss, sagte der wohl von diesem Schicksal betroffene Roman Tyce von 1860 München. In den letzten elf Pflichtspielen ist der Titelträger von 1976 nun ungeschlagen und doch hat Rosicky auch in der eigentlich makellosen EM-Bilanz einen kleinen Schandfleck ausgemacht. Wir müssen endlich mal aufpassen, nicht wieder in Rückstand zu geraten. Das geht nicht immer gut, sagte der 23-Jährige. Wie schon gegen Lettland (2:1) und die Niederlande (2:3) wendeten sie nach Michael Ballacks deutschem Führungstor (21. Minute) durch die Tore von Heinz (30.) und Milan Baros (77.) noch das Blatt.

Mit dem ersten Sieg über Deutschland in der regulären Spielzeit seit 40 Jahren und dem ersten Erfolg gegen den großen Nachbarn seit der Teilung mit der Slowakei (1993) überhaupt, haben die Tschechen endgültig ihr ganzes Land in totale Fußball-Begeisterung versetzt. Europa applaudiert den Tschechen, titelte die Zeitung Pravo nach der erfolgreichen Revanche für das verlorene EM-Finale 1996. Und das Blatt Mlada fronta Dnes forderte die durch den sensationellen Sieg ebenfalls in das Viertelfinale eingezogenen Niederländer auf, Heinz & Co. die Füße zu küssen.

Gerade für Heinz hatte der Erfolg einen besonders süßen Geschmack. Beim Hamburger SV für nicht Bundesliga tauglich befunden und an Banik Ostrau abgeschoben, zeigte er nicht nur bei seinem Freistoß-Tor seine Klasse. Ich bin sehr froh. Wir haben gezeigt, dass wir mehr als elf gute Spieler haben, hob auch der von einer Experten-Jury zum Man of the Match gekürte 26-Jährige den Teamgedanken hervor. Während Heinz den Triumph ansonsten eher still genoss, erlaubte sich Rosicky auch einen Seitenhieb auf die gescheiterten Bundesliga-Kollegen: Wir sind die besseren Fußballer. Wenn unser B-Team sie schlägt, was soll man da schon sagen?!


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