Almancil - DFB-Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder hat die Suche nach dem Nachfolger von Rudi Völler zur geheimen Chefsache gemacht und eine Informationssperre verhängt.
Der noch im deutschen EM-Quartier in Almancil weilende Chef des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) will der Öffentlichkeit vorerst nichts mehr zum Stand der Neubesetzung des Trainer-Postens mitteilen. Auch sein engeres Umfeld wies Mayer-Vorfelder an, keine Wasserstandsmeldungen abzugeben. Der Präsident hat die Suche nach dem Bundestrainer zur alleinigen Chefsache gemacht. Zu inhaltlichen Vorstellungen und zeitlichen Abläufen gibt es zur Stunde nichts zu äußern, teilte DFB-Sprecher Harald Stenger mit.
Unterdessen hat Top-Favorit Ottmar Hitzfeld die Chancen, dass er am 18. August im ersten Länderspiel nach der EM auf der deutschen Trainerbank sitzen wird, auf weniger als 50 Prozent eingestuft. Es ist wirklich sehr, sehr offen, sagte der Ex-Coach des FC Bayern München der Welt am Sonntag. Seine Famile sei ihm sehr, sehr wichtig, betonte der 55-Jährige. Ich muss das mit meiner Frau besprechen. Sie hat sich gefreut, dass ich nächstes Jahr etwas anderes mache, sagte Hitzfeld, der zur Zeit in Engelberg/Schweiz Urlaub macht. Ich wollte mich nicht dem Druck aussetzen. Als Bundestrainer sei der Druck noch größer als als Vereinstrainer des FC Bayern München.
Die Zusammenarbeit des Verbandes mit Völler ist endgültig beendet. Stenger bestätigte, dass der ursprünglich noch zwei Jahre laufende Anstellungsvertrag des DFB mit dem 44-Jährigen in einer mündlichen Vereinbarung aufgelöst worden ist und der Verband ab sofort keine Zahlungen mehr an Völler leisten muss. Rudi verzichtet auf sein Gehalt, sagte Stenger. Der Verband spart damit geschätzte fünf Millionen Euro. Völler selbst macht nach dem EM-Ausscheiden und seinem Rücktritt inzwischen Urlaub in den USA.
Die noch ungelöste Trainerfrage bietet dagegen durch das Mauern des Verbandes zunehmend Raum für Spekulationen. Noch gibt es keine Klarheit, ob Mayer-Vorfelder nach zwei Tagen Bedenkzeit auf die Gesprächsbereitschaft von Hitzfeld zumindest mit einer Kontaktaufnahme reagiert hat. Der ehemalige Bayern-Coach ist vom DFB-Chef bislang als einziger Name öffentlich genannt worden.
Im Gespräch sind inzwischen auch Otto Rehhagel, der mit Griechenland noch Europameister werden kann, und Christoph Daum. Der Name des vor vier Jahren wegen seiner Kokain-Affäre verhinderten Bundestrainers ist auch im inzwischen fast verwaisten EM-Quartier in Almancil gefallen, wie Nationalspieler Jens Nowotny im Deutschen Sport-Fernsehen (DSF) verriet. Beim Mittagessen hatten einige Nationalspieler, die nicht mit der Mannschaft nach Hause gereist waren, im Beisein Mayer-Vorfelders die Trainerfrage diskutiert. Man hat ganz lose darüber geredet. Auch der Präsident war dabei. Man sagt dann seine Meinung, berichtete Nowotny, der seine Wertschätzung für Daum kundtat. Er war mit der beste Trainer, unter dem ich gearbeitet habe. Wir sind eine Gesellschaft, in der man sagt, jeder sollte eine zweite Chance kriegen.
Nach der EM-Debakel 2000 und dem Rücktritt von Erich Ribbeck war Daum von Mayer-Vorfelder, den der damalige DFB-Präsident Egidius Braun mit der Nachfolge-Regelung beauftragt hatte, als Bundestrainer vorgesehen gewesen. Völler sollte den damals noch an Bayer Leverkusen gebundenen Daum lediglich ein Jahr lang als Interimscoach vertreten. Jan Lengerke, Mayer-Vorfelders persönlicher Referent, ließ durchblicken, dass Daum wieder zur Diskussion steht: Er ist ein hervorragender Trainer. Seine Fehler liegen in anderen Bereichen.
Nowotny ging drei Tage nach dem deutschen EM-K.o. kritisch mit der eigenen Mannschaftsleistung um. Wir waren nicht gut genug, stellte er sachlich fest und monierte die von Völler ausgegebene Defensiv- Taktik: Wir haben Kontrolle mit Schläfrigkeit verwechselt. Alle anderen Mannschaften hätten dagegen mutiger ihr Heil mit einer offensiveren Spielweise gesucht.
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