Lissabon - Bei der Suche nach einem neuen Bundestrainer hat die sportliche Führung des deutschen Rekordmeisters Bayern München vor Schnellschüssen gewarnt.
Präsident Franz Beckenbauer hält sogar eine Interimslösung für das erste Länderspiel der neuen Saison am 18. Oktober in Österreich für machbar. Wenn wir bis dahin keinen Bundestrainer gefunden haben, kann eine Übergangslösung schon funktionieren, aber nicht auf Dauer, erklärte Beckenbauer zur Möglichkeit, dass für einige Zeit ein bei einem Verein unter Vertrag stehender Coach die Nationalelf mit übernimmt.
Bayern-Manager Uli Hoeneß riet den Verantwortlichen des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) in der offenen Bundestrainer-Frage zur Besonnenheit. In aller Ruhe nachdenken und keine Schnellschüsse machen, nannte Hoeneß gegenüber der Süddeutschen Zeitung als beste Vorgehensweise nach der Absage von Wunschkandidat Ottmar Hitzfeld. Zur Not kann das erste Länderspiel nach der Sommerpause auch der Michael Skibbe machen, meinte Hoeneß. Der Assistent des zurückgetretenen Rudi Völler ist weiter im Trainerstab des DFB beschäftigt. Die Absage des früheren Münchner Trainers Hitzfeld sei ein Schock für uns alle gewesen, betonte Hoeneß.
Michael Meier, Manager und langjähriger Weggefährte bei Borussia Dortmund, forderte das DFB-Präsidium auf, weiter um Hitzfeld zu kämpfen. Ich kenne die Gründe nicht, aber ich kann mich nicht damit anfreunden, warum Ottmar Hitzfeld abgesagt hat, erklärte Meier. Hitzfeld sei die Ideallösung und es müsse daran gearbeitet werden, dass er seinen Entschluss noch einmal überdenkt.
Indes wollte Beckenbauer in der gegenwärtigen schwierigen Situation auch Christoph Daum als Völler-Nachfolger nicht mehr hundertprozentig ausschließen. Er sei der ideale Trainer, habe aber einen Makel, meinte der DFB-Präsident in Anspielung auf die Kokain- Affäre des Ex-Leverkuseners im ZDF, schloss jedoch an: Jeder hat einen Makel.
Otto Rehhagel war direkt nach dem EM-Finaleinzug mit Griechenland der Frage ausgewichen, ob er nach dem Verzicht von Hitzfeld wieder ein Kandidat als Nachfolger für den zurückgetretenen Teamchef Rudi Völler sei: Meine ganzen Gedanken waren heute nur bei meinen Spielern. Und jetzt hat die Mannschaft das Recht, sich über unseren Erfolg zu freuen, und ich habe die Verpflichtung, nur mit meiner Mannschaft zu sprechen und über deren Probleme, sagte der 65- Jährige.
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