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Horst Eckel: Diese WM steht immer an erster Stelle | 2004-07-04


dpa: Welchen Stellenwert hat der WM-Titel von 1954 für Sie persönlich?

Eckel: Dieses Spiel kann nicht übertroffen werden. Die Weltmeisterschaft 1954 steht bei mir persönlich ganz, ganz weit oben. Der WM-Sieg selbst hat mich aber nicht so sehr beeinflusst. Ich habe mir immer gesagt, bleibe schön mit den Füßen am Boden und denke daran, wo du herkommst. Ich habe mich nicht verändert.

Walter: Dieser Sieg hat einen besonderen Stellenwert. Der Titelgewinn war das Höchste für mich. Ich habe damals gedacht, nach zwei, drei Jahren spricht keiner mehr von der WM. Es erfüllt mich ein wenig mit Stolz, dass unsere Leistung noch heute, 50 Jahre danach, so gewürdigt wird.

dpa: Wie ordnen Sie das Wunder von Bern in die deutsche Fußball-Historie ein?

Eckel: Diese WM ist immer in den Köpfen der Menschen drin gewesen und wird es auch immer bleiben. 1990 hatten wir eine gute Mannschaft, 1974 im eigenen Land hat jeder den Titel erwartet. Aber was 1954 geschehen ist, wird von Generation zu Generation weiter gegeben. Diese WM steht immer an erster Stelle.

Walter: Es ist bedeutend, dass den Menschen auch heute bewusst ist, was wir geleistet haben. Es kommt noch oft die Nachfrage, wie war das damals. Vor allem die Jugend ist sehr interessiert. Ich könnte oft stundenlang darüber erzählen.

dpa: Sie werden seither als Helden verehrt. Fühlen Sie sich als solcher?

Eckel: Wir waren keine Helden und wir wollten auch keine Helden sein. Wir sind ganz normale Menschen.

Walter: Nein. Wir waren gute Fußballer, nicht mehr und nicht weniger. Keiner von uns fühlte sich jemals als Held.

dpa: Wann haben Sie die Tragweite des WM-Sieges zum ersten Mal richtig realisiert?

Eckel: Als wir bei der Rückkehr nach Hause das erste Mal deutschen Boden betreten haben, merkten wir, was der Sieg bedeutete. Nicht nur für uns, sondern die Menschen im ganzen Land. Als wir die Massen in Singen gesehen haben, wussten wir, da ist etwas passiert. Deutschland war zuvor politisch, wirtschaftlich und sportlich nicht sehr anerkannt in der Welt. Politiker haben später gesagt, dass nach der WM die Türen ganz weit aufgegangen sind.

Walter: Als wir nach Hause kamen. Da herrschte eine unglaubliche Begeisterung. Die Heimfahrt war sagenhaft, in Kaiserslautern war die Hölle los.

dpa: Welche Erinnerung haben Sie an den 4. Juli 1954?

Eckel: Das Finale hat mit zwei blöden Gegentoren miserabel angefangen. In der Halbzeit haben wir uns dann Mut gemacht. Ans Verlieren hat bei uns keiner mehr gedacht. Wir haben einfach ruhig weitergespielt. Und dann hat der Helmut Rahn sein zweites Tor gemacht. Das war das 3:2. Die letzten sechs Minuten waren dann die längsten meines Lebens.

Walter: Wir waren alle Amateure und das Spiel gegen Ungarn ging uns sehr ans Herz. Wir wollten versuchen, nicht zu hoch zu verlieren. Sechs Minuten vor Schluss, als das 3:2 für uns fiel, konnte sich jeder ausrechnen, dass die Sensation möglich war. Da haben wir uns gegenseitig noch einmal angespornt, alles zu geben. Als wir uns später einmal in Ungarn trafen, ist Ferenc Puskas auf den Tisch gestiegen und hat gesagt, wir waren die bessere Mannschaft an diesem Tag. Das war das höchste Lob, das wir bekommen konnten. Darauf bin ich heute noch stolz.

dpa: Welchen Anteil hatte Sepp Herberger am Erfolg?

Eckel: Er war einfach der Chef. Er hat uns immer das gesagt, was wir wissen mussten. Wir haben immer viel Respekt vor ihm gehabt.

Walter: So einen Mann wie Herberger gibt es nicht noch einmal. Wenn er mit mir gesprochen hat, habe ich gedacht, für diesen Mann wirst du alles geben. So ging es, glaube ich, allen in der Mannschaft. Es war sein Verdienst, dass sich jeder seiner Aufgabe bewusst war.

Eric Dobias, dpa


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