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Wolfsburg will mit Magath endlich nach oben | 2007-05-31


Wolfsburg - Mit der Allmacht Felix Magath will der VfL Wolfsburg endlich nach oben und nach zehn Jahren vergeblicher Anläufe den sportlichen Durchbruch schaffen.

Ausgestattet mit einer in der Fußball-Bundesliga beispiellosen Machtfülle und dem Mandat des vom Volkswagen-Konzern bestimmten Aufsichtsrates tritt der Fußball-Lehrer am 15. Juni seinen Dienst an. Ich glaube, dass es besser ist, wenn einer allein seine Vorstellungen durchbringen kann. Davon habe ich den VfL überzeugt. In Stuttgart habe ich das auch geschafft, sagte Magath. Magath ist Cheftrainer und Sportdirektor in Personalunion und gehört zudem der auf vier Mitglieder erweiterten Geschäftsführung der VfL Wolfsburg-Fußball GmbH an. Damit besitzt er Kompetenzen wie keiner seiner Kollegen in der Bundesliga. Die Wolfsburger orientierten sich bei der Installierung des 53-Jährigen an Vereinsstrukturen, wie sie in der englischen Premier League üblich sind.

Aus einer ähnlich starken Position heraus führte der Europameister von 1980 den VfB Stuttgart vor vier Jahren bis in die Champions League, bei Bayern München reichte in der Folge der Rekord von vier nationalen Titeln in zwei Jahren nicht, um sich im Amt zu behaupten. Diese Referenzen machten den Exzentriker, der in seiner Trainer- Karriere wegen seiner harten Methoden lange als Quälix verschrien war, begehrt für die neue Wolfsburger Chefetage und den neuen VW-Chef Martin Winterkorn, einen guten Bekannten aus Münchner Tagen. Man habe eine der renommiertesten Persönlichkeiten im deutschen Fußball für den VfL gewonnen, konstatierte der neue Aufsichtsratsvorsitzende Hans Dieter Pötsch zufrieden.

Stolz war auch dessen in dieser Woche zurückgetretener Vorgänger Lothar Sander, als er in seiner Amtszeit mit großem Geld bekannte Namen nach Wolfsburg zu locken versuchte. Der Versuch mit Stefan Effenberg misslang 2002 aber ebenso wie später der Anlauf mit Argentiniens Star Andres DAlessandro, der heute noch das VfL-Budget belastet. Die im Februar für mehrere Millionen Euro geschlossene Liaison mit dem brasilianischen Ausnahmespieler Marcelinho verhinderte wenigstens den Abstieg und darf insofern sogar als Teilerfolg verbucht werden.

Bei seiner Inthronisierung weilte Magath, der am 31. Januar bei den Bayern entlassen worden war, fernab der Heimat im Urlaub. Auch sein erklärtes nächstes Karriereziel lag eigentlich eher in Angelsachsen als Niedersachsen und bei einem Weltclub statt einem Werksclub. Die eigene Machtfülle, die finanziellen Möglichkeiten in Wolfsburg (Magath: Hinter dem Verein steht ein Konzern. Die Perspektive stimmt also.) und das Schmerzensgeld für vorerst zurückgestellte Träume - die Rede ist von vier Millionen Euro pro Jahr bis 2010 - lassen den Sinneswandel nachvollziehbar werden.

Das Erbe, das Magath von seinen Vorgängern übernimmt, ist diffizil. Zum zweiten Mal in Folge vermied der VfL, der in diesem Jahr eigentlich an der Champions League schnuppern wollte, mit Mühe den Absturz in die Zweite Liga. Die Mannschaft ist eigentlich keine und nach den Abgängen von Eckpfeilern wie Mike Hanke (Hannover 96), Diego Klimowicz (Borussia Dortmund), Tom van der Leegte (PSV Eindhoven) und Hans Sarpei (Bayer Leverkusen) weiter geschwächt.

Als namhafte Neuzugänge stehen bisher lediglich die beiden Cottbuser Nichtabstiegsgaranten Sergiu Radu und Vlad Munteanu fest. Ob Magath schon bei dieser Millionen-Investition mitgewirkt hat, ist nicht verbrieft. Auf jeden Fall dürfte es nur der Anfang von Personalbewegungen gewesen sein, die bei den Wölfen in den nächsten Tagen und Wochen bevorstehen. Der Gerüchteküche nach sollen momentan sogar solche Hochkaräter wie die bei den Bayern in Ungnade gefallenen Roque Santa Cruz und Claudio Pizarro im Gespräch sein.

Über das Duo hat sich Magath längst sein Bild gemacht. Entschieden hat der oft wie ein Despot wirkende sechsfache Vater aber ebenso wenig wie über Zahl und Namen seiner Assistenten an der neuen Wirkungsstätte. Darüber muss ich mir erst ein Bild verschaffen. Den einen oder anderen werde ich aber mitbringen, kündigte er an. Seine Familie bleibt vorerst in München wohnen. Das kann kann für den VfL nur gut sein.


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