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Auch ausländische Trainer sind für Titel gut | 2004-07-04


Lissabon - Erstmals in der 44-jährigen Geschichte der Fußball-EM triumphiert bei der 12. Austragung eine Nation mit einem ausländischen Trainer.

Das Novum, das es bei den seit 1930 ausgetragenen WM-Turnieren noch nicht gegeben hat, steht schon vor dem Anpfiff des Endspiels in Lissabon zwischen den von Otto Rehhagel betreuten Griechen und Gastgeber Portugal mit dem brasilianischen Weltmeister-Coach Luiz Felipe Scolari fest.

Die erfolgreiche Premiere könnte im Hinblick auf die WM 2006 in Deutschland Schule machen und womöglich auch einige große Nationen zum Undenken bewegen. In Deutschland und Frankreich, wo nach der Enttäuschung von Portugal fieberhaft nach Nachfolgern für Rudi Völler und Jacques Santini gefahndet wird, war das Nationaltrainer- Amt bislang fest in einheimischer Hand.

Immerhin hat Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder bei der Suche des DFB einen Ausländer als Völler-Nachfolger nicht mehr grundsätzlich ausgeschlossen. Allerdings müsse er fließend deutsch sprechen. Auch der frühere Nationalmannschafts-Kapitän Jürgen Klinsmann plädierte am Wochenende dafür, über den eigenen Tellerrand hinauszuschauen. Du musst den Besten holen, aber er muss die deutsche Mentalität kennen, den deutschen Stil des Fußballs, bemerkte Klinsmann, der ergänzte: Das wäre ein neuer Schritt für Deutschland.

Andere sind ihn schon gegangen. England wird seit Anfang 2001 vom Schweden Sven Göran Eriksson gecoacht. Am Anfang ging ein Aufschrei der Entrüstung durch das Fußball-Mutterland, doch der 56-Jährige ließ die Kritiker verstummen. Und auch deutsche Trainer sind im Ausland in: So sollen unter anderem Berti Vogts Schottland, Lothar Matthäus Ungarn und Winfried Schäfer Kamerun zur Weltmeisterschaft 2006 nach Deutschland führen.

Otto Rehhagel hat sich als absoluter Glücksfall für die Griechen erwiesen, obwohl er einen Dolmetscher braucht, um seine Spieler beim Training und im Spiel mit Anweisungen zu versorgen. Inzwischen kann er immerhin die Nationalhymne mitsingen. Ein Vorteil lag für ihn wohl darin, dass er als Ausländer keinem der rivalisierenden Top-Clubs Panathinaikos, Olympiakos und AEK Athen zugeordnet werden konnte. So konnte er seine Personalauswahl unabhängig treffen, außerdem bremste er die Funktionäre bei ihren politischen Machtspielchen aus. Ich bin hier der Chef, sagt Rehhagel.

Auch Scolari, der vor zwei Jahren sein Heimatland Brasilien in Asien zum fünften WM-Titel geführt hatte, profitierte in Portugal von seinem Ausländer-Status. Klinsmann glaubt, dass es ihm eine gewisse Distanz zur goldenen Generation der Portugiesen mit den Leitfiguren Luis Figo, Rui Costa und Fernando Couto ermöglichte, um Signale zu setzen. Er verbannte den zu langsamen Abwehrchef Couto auf die Bank, ersetzte im Turnierverlauf Spielmacher Rui Costa durch den gebürtigen Brasilianer Deco und traute sich sogar, den großen Figo gegen England vom Platz zu nehmen. Er hat die Spieler damit provoziert, an die Leistungsgrenze zu gehen, meinte der ehemalige Weltklassestürmer Klinsmann. Figo schmollte zunächst, aber beim 2:1 im Halbfinale gegen die Niederlande gab er auf dem Spielfeld die richtige Antwort.

Scolari hat seinen Vertrag während der EM bis 2006 verlängert, um in Deutschland möglichst als erster ausländischer Trainer ein Land zum WM-Titel zu führen. Bislang schafften es nur zwei bis ins Finale: Der Engländer George Raynor verlor 1958 mit Schweden gegen Brasilien und der Österreicher Ernst Happel 1978 mit Holland gegen WM-Gastgeber Argentinien. Ein Rekordhalter der besonderen Art ist der Serbe Bora Milotinovic, der mit fünf verschiedenen Ländern an den letzten fünf WM-Turnieren teilnahm, nämlich Mexiko (1986), Costa Rica (1990), USA (1994), Nigeria (1998) und China (2002).


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