Frankfurt/Main - Nach der endgültigen Absage von Ottmar Hitzfeld ist Morten Olsen offenbar der Top-Favorit auf den vakanten Posten des Bundestrainers.
Dem dänischen Nationalcoach liegt nach Informationen des kicker ein Angebot des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) vor, die Nachfolge von Rudi Völler anzutreten. Angeblich müsse Olsen der Offerte nur noch zustimmen, um alle anderen Kandidaten wie Guus Hiddink und Lothar Matthäus aus dem Rennen zu werfen.
Das sind alles nur Gerüchte, Gerüchte und nochmals Gerüchte. Ich behalte mir das Recht vor, Vertragsfragen nicht zu kommentieren. Außerdem habe ich bekanntermaßen einen Vertrag, sagte Olsen der dpa. Ein Dementi, dass Kontakte mit dem DFB bestehen, gab er nicht. Schon zuvor hatte sich der 54-Jährige stets ausweichend zu einem möglichen Engagement beim dreimaligen Weltmeister geäußert. Ich bin gefragt worden, ob der Posten interessant ist, und habe geantwortet, dass es für alle Trainer eine reizvolle Aufgabe wäre, sagte Olsen der Zeitung Politiken. Allerdings hatte der Däne vor wenigen Tagen auch geäußert: Es ehrt mich, zum Kandidatenkreis zu zählen. Deutschland ist ein großes Fußball-Land.
Eine offizielle Stellungnahme der Trainerfindungskommission (TFK) gab es zu den neuen Spekulationen nicht. Das Quartett mit Franz Beckenbauer, DFB-Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder, Liga-Präsident Werner Hackmann und DFB-Generalsekretär Horst R. Schmidt will sich erst wieder öffentlich äußern, wenn konkrete Ergebnisse zu vermelden sind. Wir geben keine Wasserstandsmeldungen ab, hieß es vom DFB.
Beckenbauer hatte im Anschluss an die TFK-Sitzung Kontakt mit den ausländischen Kandidaten aufgenommen, um ihre grundsätzliche Bereitschaft zu prüfen. Eine endgültige Absage holte sich der Kaiser dabei vom Franzosen Arsene Wenger, der seinen Vertrag bei Arsenal London bis 2005 erfüllen wird.
Olsen dagegen scheint mit einem Wechsel nach Deutschland zu liebäugeln. Schon in der vergangenen Saison lagen ihm aus der Bundesliga Anfragen des VfL Wolfsburg und des VfB Stuttgart vor, doch der Verband verweigerte wegen der bevorstehenden Europameisterschaft die Freigabe. Sein Vertrag als dänischer Auswahl-Coach läuft noch bis zur WM 2006. Generalsekretär Jim Stjerne Hansen verhehlte nicht, dass man auch künftig gerne mit dem 54 Jahre alten Fußball-Lehrer zusammenarbeiten möchte. Wir sind als einer der wenigen Verbände mit dem bisherigen Trainer von der EM zurückgekehrt. Das sagt wohl alles, erklärte Hansen.
Den deutschen Fußball kennt Olsen aus eigener Erfahrung sehr gut. Von 1986 bis 1989 war er als Spieler und von 1993 bis 1995 als Trainer beim 1. FC Köln beschäftigt. In der Domstadt hat Olsen, der für Dänemark 102 Länderspiele absolvierte, auch seine Trainer-Lizenz an der Sporthochschule erworben. Er ist ein Klassemann. Als Bundestrainer wäre er ein Glücksfall, er ist einfach perfekt, lobte Toni Polster seinen Ex-Trainer. Olsen könnte viel beim DFB bewegen. Es wäre gut, einen wie ihn von außerhalb zu holen, der von dem Klüngel dort unbelastet ist, sagte der ehemalige Kölner Bundesligaspieler der Münchner Abendzeitung.
Solange die TFK zu der mittlerweile drei Wochen andauernden Suche schweigt, gilt allerdings auch Guus Hiddink weiter als ernsthafter Anwärter auf die Völler-Nachfolge. Der Trainer und Sportdirektor des niederländischen Spitzenvereins PSV Eindhoven dürfte jedoch schwerer zu bekommen sein als Olsen, da der Saisonbeginn unmittelbar bevorsteht.
Am 14. Juli hatte Ottmar Hitzfeld einen definitiven Schlussstrich unter die Diskussionen um eine mögliche Amtsübernahme Anfang des kommenden Jahres gezogen. Eine Zusage zum 1. Januar ist nicht denkbar, erklärte der Wunschkandidat Nummer 1, der dem DFB bereits am 1. Juli aus persönlichen Gründen eine Absage erteilt hatte.
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