München/Stuttgart - Der Welt- und Europameister Jürgen Klinsmann hat radikale Reformen im deutschen Fußball gefordert, steht jedoch selbst für ein Vollzeit-Amt nicht zur Verfügung.
Der Ex-Nationalspieler übte in mehreren Zeitungsinterviews scharfe Kritik an den Strukturen im Deutschen Fußball-Bund (DFB). Im Prinzip muss man den ganzen Laden auseinander nehmen, sagte der 39-Jährige der Süddeutschen Zeitung.
Klinsmann forderte wie Bayern Münchens Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge einen Manager für die Nationalelf und sprach sich dabei ebenfalls für seinen Ex-Kollegen Oliver Bierhoff aus. Eine solche Position ist überfällig. Aber das wäre auch nur der erste Schritt, meinte er. Man muss eine gesamte Umstrukturierung in Gang bringen.
Seiner Ansicht nach muss man ein Team mit Fachleuten für jeden Bereich aufbauen, aber zuvor eine Bestandsaufnahme vornehmen. Er nannte dabei seinen Ex-Verein Bayern München als Vorbild: Uli Hoeneß hat mal den FC Bayern von einer Unternehmensberatung ansehen lassen, um herauszufinden, was man besser machen kann. So muss es jetzt beim DFB auch sein. Man schaut, wo es nicht passt, und dann muss man Leute suchen, die das ändern können.
Im Interview der Stuttgarter Zeitung schlug Klinsmann einen Expertenkreis aus zwölf bis 15 Leuten vor. Er selbst würde sich dieser Runde nicht verschließen: Ich wäre gerne bereit, mich da einzubringen. Jedoch stünde der in den USA lebende Klinsmann für einen Zeit aufwendigeren Posten wie den des Teammanagers nicht zur Verfügung. Ach nein, ich kann das ja nicht von Kalifornien aus erfüllen, sagte er. Derzeit mache er drei Jobs gleichzeitig, und ich wüsste gar nicht, wie ich da rauskäme.
Bevor ein Anforderungsprofil für den neuen Bundestrainer entworfen werde, müsse man zunächst eines für die Leute im Verband haben. Klinsmann befürwortete Rummenigges Vorschlag einer Altersbegrenzung. Seiner Ansicht nach hätten viele beim DFB die Einstellung: Hauptsache, ich bin bei der WM 2006 noch im Boot. Danach bekommen wir für mindestens 30 Jahre ohnehin keine Großveranstaltung mehr. Das Bild, das der deutsche Fußball zurzeit international abgibt, sei sehr schlecht, sagte er den Stuttgarter Nachrichten: Der Verband muss auf den Prüfstand. Es müssen radikale Reformen her.
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