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Kronprinz Zwanziger fühlt sich reif zur Machtübernahme | 2004-07-06


Frankfurt/Main - In den turbulenten Tagen nach dem Rücktritt von Teamchef Rudi Völler ist Theo Zwanziger, der Schatzmeister im Deutschen Fußball-Bund (DFB), aus dem Schatten ins Rampenlicht getreten und fordert nun Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder heraus.

Jahrelang hat er im Hintergrund des weltweit größten Sportfachverbandes loyale Dienste geleistet, nun fühlt sich der 59 Jahre alte Zwanziger stark genug für die Machtübernahme im DFB. Ich habe feststellen müssen, dass sein Führungsstil nicht der ist, der in einem demokratisch ehrenamtlich geprägten Verband überall auf Freude stößt, begründete er seinen Willen zur Kandidatur auf dem DFB-Bundestag.

Der promovierte Jurist ist seit Jahren in den wichtigsten Gremien des deutschen Fußballs vertreten und hat sich in dieser Zeit den Ruf eines hervorragenden und zuverlässigen Fachmannes erworben. Im Vordergrund stehen für ihn die Interessen des Fußballs, eigene Ambitionen hat er stets zurückgestellt. Es geht um das Ansehen eines wunderbaren Verbandes, der für mehr als sechs Millionen Mitglieder da zu sein hat, lautet Zwanzigers Leitmotiv.

Dies hat ihm das Vertrauen des Amateur-Bereichs, der so genannten Basis, eingebracht. Dem Wunsch vieler Mitglieder, für das Amt des Präsidenten zu kandidieren, wollte und konnte Zwanziger sich nicht verschließen. Mein Ziel ist es, in der Zukunft einen veränderten Führungsstil innerhalb des DFB anzustreben. Denn Zwanziger ist ein Teamspieler, die Art eines Sonnenkönigs ist ihm fremd und zuwider.

Das dürfte ihn dazu bewogen haben, seinen langjährigen Chef auf dem Bundestag herauszufordern. Ich mag diesen Präsidenten, aber er muss sich auch in diesen Verband eingliedern. Mein Entschluss ist mir auf Grund der dreijährigen Zusammenarbeit mit Herrn Mayer-Vorfelder und der daraus resultierenden Loyalität nicht leicht gefallen, betonte der ehemalige Landtagsabgeordnete in Rheinland-Pfalz.

Wer ist dieser Mann, der zum einen als neuer Hoffnungsträger gilt, um die verkrusteten Strukturen aufzubrechen, andererseits aber für die klassischen Werte wie Solidarität, soziales Engagement und Tradition steht? Am 6. Juni 1945 in Altendiez am Fuße des Westerwaldes geboren, arbeitete sich Zwanziger sportlich und beruflich hoch in die Entscheidungsetagen. Beim VfL Altendiez im 2500-Seelen-Örtchen kickte er bis 1975 selbst, wechselte dann in den Vorstand. Später war Zwanziger Chef des Fußball-Verbandes Rheinland.

Seine berufliche Laufbahn hatte er 1965 als Steuerinspektor begonnen, später war er Dezernent der Kreisverwaltung Montabaur, Verwaltungsrichter und Regierungspräsident in Koblenz. 1991 gründete Zwanziger eine Anwaltskanzlei in Thüringen und später in Altendiez. Seit 1992 ist er Mitglied im DFB-Vorstand, wo er zunächst die Aufgabe des Sonderbeauftragten für soziale Integration übernahm. Seit 2001 ist er als Schatzmeister für die DFB-Finanzen verantwortlich. In der vierköpfigen Spitze des Organisationskomitees für die WM 2006 zeichnet Zwanziger für Finanzen, Personal und Recht zuständig.

Karl-Heinz Rummenigge (Vorstandsvorsitzender FC Bayern München): Bei der Trainersuche brauchen wir keine schnelle, sondern eine gute Lösung. Was das Amt des DFB-Präsidenten angeht, wäre ein Machtkampf oder eine Kampfabstimmung nicht gut. Ich hoffe und wünsche mir, dass es zum Schluss nur einen Kandidaten gibt. Es muss wieder Ruhe und Einheit im deutschen Fußball einkehren. Dr. Zwanziger ist ein guter Mann. Was Herr Nelle gemacht hat, war auch nicht Gentleman like. Er ist Vizepräsident und Kollege, da äußert man keine Kritik in der Öffentlichkeit. Wir müssen dem Fußball dienen und nicht irgendwelchen Eitelkeiten.

Volker Finke (Trainer SC Freiburg): Es ist überraschend, dass es überhaupt einen Kandidaten gibt. Die Chancen auf Veränderungen sind aber, wenn man die Strukturen beim DFB kennt, gering. Bei der Teamchef-Frage ist der richtige Zeitpunkt ohnehin verpasst worden. Das Kind ist längst in den Brunnen gefallen. Mit einem klaren Kopf hätte man in der besagten Nacht in Portugal die Dinge anders regeln müssen und nicht in der Öffentlichkeit die großen Diskussionen in Gang setzen sollen. Ich denke, die Chance einen guten Nachfolger für Rudi Völler zu finden, ist gleich Null. Das ist schade. Wir müssen auf eine gute Lösung hoffen.


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