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Marathon-Sitzung beim DFB | 2004-07-09


Frankfurt/Main - Die Suche nach einem Kompromiss im Machtkampf um die Führung des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) entwickelte sich zu einem Marathon.

Nach über fünfstündiger Beratung der Schlichtungskommission in der DFB-Zentrale in Frankfurt/Main waren weder ein Ende der Sitzung noch konstruktive Vorschläge, wie die drohende Kampfkandidatur zwischen Amtsinhaber Gerhard Mayer-Vorfelder und Herausforderer Theo Zwanziger vermieden werden kann, in Sicht. Es kann sein, dass heute kein Ergebnis zu verkünden ist, dämpfte DFB-Pressesprecher Harald Stenger die Erwartungen auf konkrete Ergebnisse.

Hinter verschlossenen Türen debattierten die Vorsitzenden der fünf Regionalverbände, der Präsident des Bayerischen Fußball-Verbandes Heinrich Schmidhuber, DFB-Generalsekretär Horst R. Schmidt, DFB-Vizepräsident Alfred Sengle sowie als Vertreter des Profibereichs Liga-Präsident Werner Hackmann, DFL-Geschäftsführer Wilfried Straub und Franz Böhmert seit 11.00 Uhr über einen Ausweg aus der Situation, die nach Ansicht vieler Experten bis zum DFB-Bundestag im Oktober nicht haltbar ist.

Um eine Schlammschlacht im Wahlkampf zu verhindern, die dem DFB zweifellos Schaden zufügen würde, soll Mayer-Vorfelder zum Verzicht der Kandidatur überredet werden. Der 71-Jährige, der vor drei Jahren noch mit 99,23 Prozent der Stimmen gewählt wurde, ist wegen seines selbstherrlichen Führungsstils vor allem bei der Basis in Ungnade gefallen. Da die Regional- und Landesverbände mit 140 von 256 Stimmen die deutliche Mehrheit besitzen, werden Mayer-Vorfelders Chancen auf eine Wiederwahl als gering bis nicht existent eingeschätzt.

Eine Variante des angestrebten Kompromisses ist, dass der Schwabe auf dem Bundestag am 22./23. Oktober in Osnabrück nicht mehr antritt, dennoch aber den eigentlich für den DFB-Präsidenten vorgesehenen Platz im Aufsichtsrat des WM-Organisationskomitees behält. Zumindest in diesem Gremium würde MV dann seinen Herausforderer Zwanziger kontrollieren, der im WM-OK für Recht und Finanzen zuständig ist. Seine Posten in der Exekutive des Weltverbandes FIFA und des Europäischen Verbandes UEFA behielte Mayer-Vorfelder ohnehin, da er persönlich in diese Gremien gewählt worden ist.

Um 14.40 Uhr traf der aufs Abstellgleis geratene Mayer-Vorfelder in der DFB-Zentrale ein. Anders als zu Wochenbeginn, als er sich vor der DFB-Präsidiumssitzung kämpferisch den Fragen der wartenden Journalisten stellte, wählte der 71-Jährige dieses Mal den Hintereingang und verweigerte jeglichen Kommentar zu seinen Aussichten. An der Sitzung nahm er wie Zwanziger nicht teil.

Keine neuen Erkenntnisse gab es auch bei der Suche nach einem neuen Bundestrainer. Otto Rehhagel ist weiter die Nummer 1 auf der Kandidatenliste der Trainerfindungskommission (TFK), deren Chef Franz Beckenbauer bereits ein erstes telefonisches Gespräch mit dem 65-jährigen Coach geführt hat. Konkrete Verhandlungen sollen allerdings erst zu einem späteren Zeitpunkt geführt werden.


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