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Zustimmung aus Landesverbänden für Doppelspitze | 2004-07-10


Frankfurt/Main - Die Konkurrenten übten den Schulterschluss und spielten den verbalen Doppelpass, doch die im Machtkampf um die Führung des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) angestrebte Lösung riecht nach einem faulen Kompromiss.

Der Vorschlag, auf dem Bundestag am 22./23. Oktober in Osnabrück eine Doppelspitze mit Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder und einem Geschäftsführenden Präsidenten Theo Zwanziger zu installieren, kommt einem Stillhalteabkommen zwischen den zerstrittenen führenden Köpfen des deutschen Fußballs bis zur WM 2006 im eigenen Land gleich und würde bei seiner Umsetzung für ein Novum im Welt-Fußball sorgen.

Die Vorstellung, dass der größte Sportfachverband künftig von zwei Funktionären angeführt werden soll, mutet kurios an und dürfte auch an der Basis mit Kopfschütteln aufgenommen werden. Daher mühten sich die Protagonisten, den Kompromiss anzupreisen, der von den Mitgliedern noch abgesegnet werden muss. Mit Sicherheit hätte man auch vorher darauf kommen können. Wenn man darauf gekommen wäre, wäre es gut gewesen, sagte Mayer-Vorfelder. Schatzmeister Zwanziger, der nur vier Tage lang die Rolle des Herausforderers spielte, sieht eine Doppelspitze allerdings nicht als Modell für die Zukunft. Ich glaube nicht, dass es sie länger als zwei Jahre geben wird, erklärte der 59-Jährige.

Um eine drohende Schlammschlacht im Wahlkampf zu verhindern, wollen die DFB-Funktionäre sogar einige Spielregeln außer Kraft setzen. Zunächst muss die Satzung geändert werden, die eine Doppel-Präsidentschaft nicht vorsieht. Auch der dreijährige Turnus von DFB-Bundestagen könnte nicht eingehalten werden. Es muss 2006 Neuwahlen geben, kündigte Zwanziger an. Für Mayer-Vorfelder kommt dann definitiv der Abpfiff. Es ist klar abgesprochen, dass ich nach der WM aus dem Amt scheide, sagte der DFB-Chef.

Einen Tag nach dem Kompromiss, den DFB bis zur WM 2006 mit der Doppelspitze Gerhard Mayer-Vorfelder als bisherigem DFB-Präsidenten und Theo Zwanziger als Geschäftsführenden Präsidenten antreten zu lassen, wies DFB-Vize Engelbert Nelle auf die Schwierigkeit der Umsetzung hin. Beim Bundestag am 22./23. Oktober in Osnabrück ist zur Annahme der Satzungsänderung eine Zwei-Drittel-Mehrheit notwendig. Mit den Präsidenten des Bayerischen und des Süddeutschen Verbandes, Heinrich Schmidhuber und Rolf Hocke, signalisierten allerdings zwei von fünf Regional-Fürsten ihre Zustimmung.

Das war auf alle Fälle eine Entscheidung, die Allen gerecht geworden ist. Es steht fest, dass die Zeit von Mayer-Vorfelder 2006 endgültig zu Ende geht, sagte Schmidhuber. Hocke meinte: Die Regional- und Landesverbände waren angetreten, Theo Zwanziger zur Kandidatur zu drängen, und das Ziel haben wir geschafft. Unter dem Aspekt, dass wir im DFB die WM 2006 vor der Brust haben, ist die Doppelspitze die beste Lösung. Die endgültige Ablösung von Mayer-Vorfelder durch Zwanziger soll bei einem Bundestag im September 2006 erfolgen.

Der 71-jährige Mayer Vorfelder versuchte, seinen Machtverlust als Erfolg darzustellen. Mit Sicherheit hätte man auch vorher darauf kommen können. Wenn man darauf gekommen wäre, wäre es gut gewesen, sagte Mayer-Vorfelder. Bei einem Auftritt vor dem Verbandstag des Südwestdeutschen Fußball-Verbandes (SWFV) in Edenkoben sprach er von einem Kompromiss der Vernunft. Mit Zwanziger sei er in der Regel einer Meinung. Der bisherige Schatzmeister sieht die Doppelspitze allerdings nicht als Modell für die Zukunft. Ich glaube nicht, dass es sie länger als zwei Jahre geben wird, erklärte der 59-Jährige. Mayer-Vorfelder bestätigte: Es ist klar abgesprochen, dass ich nach der WM aus dem Amt scheide.

Der wegen seiner Selbstherrlichkeit teilentmachtete DFB-Chef sagte: Ich sehe dies nicht als Entmachtung. Er darf weiter repräsentieren und den DFB im Fußball-Weltverband FIFA und im Europa-Verband UEFA vertreten. Allerdings ist seine Mitgliedschaft in deren Spitzengremien durch eine Persönlichkeitswahl erfolgt, an der ein vollkommener Sturz als DFB-Präsident nichts geändert hätte. Zudem bleibt Mayer-Vorfelder Chef des Aufsichtsrats des WM-Organisationskomitees. Zwanziger soll sich um das Tagesgeschäft kümmern. Was das zu bedeuten hat, soll demnächst in einer Art Arbeitsplatzbeschreibung festgelegt werden.

Da der Aufgabenbereich von Generalsekretär Horst R. Schmidt, der im DFB als der Macher gilt, von der Doppelspitze unberührt bleiben soll, ist Zwanzigers künftige Rolle vorerst unklar. Wir wollen in fairer Partnerschaft zusammenarbeiten. Das Grundvertrauen ist trotz der zuletzt aufgetretenen Differenzen nie verloren gegangen, sagte Zwanziger.


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