Lima - Erstmals in der 88-jährigen Geschichte der Copa America kommt es zum Traumfinale zwischen Brasilien und Argentinien.
Weltmeister Brasilien zog in Lima/Peru mit Glück und dank Elfmeter-Töter Julio Cesar in das Endspiel um die südamerikanische Fußball-Meisterschaft gegen die Gauchos ein. Denn erst im Elfmeterschießen bezwang die Selecao Uruguay mit 5:3. Nach regulärer Spielzeit stand es vor 25 000 Zuschauern 1:1. Argentinien hatte sein Halbfinale 3:0 gegen Titelverteidiger Kolumbien gewonnen. In den vorherigen 40 Copa-Auflagen standen sich die Erzrivalen nie im Finale gegenüber.
In der ersten Halbzeit war Uruguay klar besser, und unser Team sehr ängstlich, letztlich hatten wir etwas Glück, räumte der frühere brasilianische Star-Nationalspieler und heutige TV-Kommentator Falcao ein. Die Urus waren lange Zeit vor allem aggressiver. Marcelo Sosa (22.) köpfte das 1:0 für den Außenseiter. Zuvor traf Dario Silva (13.) nur die Latte. Uruguay vergab auch danach weitere gute Chancen.
Die Brasilianer, die in Peru mit einer B-Elf ohne die Superstars um Ronaldo, Ronaldinho, Kaka, Cafu und Roberto Carlos antreten, schafften 90 Sekunden nach der Pause durch Inter Mailands Torjäger Adriano den zu diesem Zeitpunkt völlig unverdienten Ausgleich. Im Laufe der Restspielzeit konnte Brasilien die Partie dann zumindest ausgeglichen gestalten. Der Leverkusener Juan und Adriano gehörten wieder zu den Leistungsträgern der Brasilianer. Der zu Werder Bremen gewechselte Außenläufer Gustavo Nery setzte dagegen wenig Akzente.
Im Elfmeterschießen avancierte im Estadio Nacional Torhüter Cesar von Flamengo Rio de Janeiro zum Mann des Abends. Der 24-Jährige parierte den von Vicente Sanchez geschossenen Strafstoß der Urus und entschied so die Partie, da die Brasilianer alle fünf Schüsse sicher verwandelten. Nach der Abpfiff schrie Cesar ins Mikrofon des brasilianischen Fernsehens: Küsse für Mutti und für meine (Gattin) Su. Nationalcoach Carlos Parreira war derweil zufrieden: Wir haben die Ruhe bewahrt und uns im entscheidenden Zeitpunkt gesteigert.
Wie sehr das Traumfinale elektrisiert, brachte Brasiliens Star- Reporter Galvao Bueno zum Ausdruck: Gewinnen ist schön, aber gegen Argentinien zu gewinnen ist viel, viel schöner. Es gibt aber auch warnende Stimmen: Gegen Uruguay hat das Team ja schlecht gespielt, schrieb die Zeitung Folha. Und Mittelfeldmann Renato vom FC Sevilla erklärte: Argentinien hat sich besser auf das Turnier vorbereitet.
Argentinien hatte Kolumbien mühelos durch Tore von Carlos Tévez, Luis Gonzalez und Juan Sorin besiegt. Die da noch geschonten Andrés DAlessandro (VfL Wolfsburg) und Javier Saviola (FC Barcelona) sind zum Finale fit. Wir haben uns im Turnier konstant verbessert, gut gespielt und verdienen den Titel, so DAlessandro. Stürmer Luciano Figueroa will den Cup für seinen bei einem Autounfall verunglückten Bruder holen. Und mit fast dem identischen Team will der umstrittene Coach Marcelo Bielsa bei den Olympischen Spielen in Athen Gold holen. Die seit 1916 ausgespielte Copa wurde bisher von Argentinien und Uruguay (je 14 Titel) beherrscht. Brasilien war sechs Mal siegreich. Argentinien gewann zuletzt 1993, Brasilien 1999.
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