Stuttgart - Als Jürgen Klinsmann vor sechs Jahren seine glanzvolle Karriere beendete, verweigerte ihm der Deutsche Fußball- Bund ein Abschiedspartie.
Mit dem heutigen DFB-Präsidenten Gerhard Mayer-Vorfelder focht er zu seinen Zeiten beim VfB Stuttgart so manchen Strauß aus und mit der Boulevardpresse konnte es der Schwabe partout nicht. Wenn es aber um seinen Fußball und seine Nationalmannschaft geht, deren Kapitän er war, ist der 39-Jährige nun bereit, alle Ressentiments und Bedenken hinten anzustellen. Kleinlich war Klinsmann, der wie kein anderer deutscher Profi die Welt kennen lernen wollte, noch nie.
Öffentlich zu Wort meldete sich der Weltmeister von 1990 und Europameister von 1996 zuletzt nur, wenn es um sein Kinderhilfswerk Agapedia oder sein Nachwuchsprojekt Fußball D21 ging. Kritik äußerte er lieber hinter verschlossenen Türen. Im Gegensatz zu einem Lautsprecher wie Lothar Matthäus. Ich werde nie wieder etwas so gut können wie Fußball spielen, sagte der Bäckersohn, als er seinen neuen Lebensmittelpunkt in Kalifornien suchte.
Dort lebt Klinsmann mit seiner amerikanischen Frau Debbie und den Kindern Jonathan (7) und Laila (3): Meine Kinder können hier unbeschwert aufwachsen. Von seiner Familie gibt es ein einziges, inzwischen ein paar Jahre altes Bild mit seinem Sohn. Die Öffentlichkeit, betonte er immer wieder, hat kein Recht an meinem Privatleben.
In diesem Monat tauchte der frühere Torjäger (VfB Stuttgart, Inter Mailand, AS Monaco, Tottenham Hotspur, Bayern München, Sampdoria Genua) mit deutlichen Worten der Kritik aus der Versenkung auf: Er befürwortete eine Altersbegrenzung beim DFB, forderte einen Zehnjahresplan, ging Mayer-Vorfelder an und sagte plötzlich: Es ist gut zu wissen, dass ich den Trainerschein in der Tasche habe.
Vor einiger Zeit saß Klinsmann eine Stunde mit Bundeskanzler Gerhard Schröder zusammen und diskutierte darüber, welche einmalige Chance Deutschland mit der WM 2006 hat. Dass zwei Jahre vor diesem Großereignis die deutsche Nationalmannschaft am Boden ist und der DFB wochenlang nach einem neuen Bundestrainer fahnden muss, hat bei Klinsmann ein Umdenken bewirkt. Bis vor Kurzem war eine Aufgabe im deutschen Profifußball für den einstigen Weltenbummler noch undenkbar, denn er wusste: Dann ginge dieses Leben aus dem Koffer wieder los.
Mit seinem Image schwankte der 108fache Nationalspieler zwischen dem Cleansman und dem freundlichen Abzocker (taz). Mit Worten geht er stets besonnen um, auf dem Platz reagierte er hingegen oft unvergesslich emotional: Klinsmann erfand in England den Diver, um sich selbst als Elfmeterschinder zu karikieren, er trat in München aus Ärger über seine Auswechselung so vehement gegen eine Tonne, dass das Bild durch die Republik ging, und er feierte im Mai 1999 im Stuttgarter Daimlerstadion ein rauschendes und stilvolles Fest, bei dem er am Ende schluchzend vor 52 000 Zuschauern stand.
Schon damals sagte er in einem dpa-Interview, dass er überhaupt keine Probleme hätte, eines Tages für den DFB tätig zu sein: Wenn ich etwas mache, dann nicht für den DFB-Präsidenten, sondern für die Leute, die für mich da waren. Wenn ich helfen kann, dann helfe ich. Letztendlich geht es um den deutschen Fußball und nicht um ein paar Herren an der Spitze.
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