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Maradona-Club SSC Neapel kämpft ums Überleben | 2004-07-28


Neapel - Mit Diego Maradona schwebte der SSC Neapel im Paradies, jetzt schmort der Pleite-Club in der Hölle der Drittklassigkeit.

Der italienische Fußballverband (Figc) hat dem zweifachen italienischen Meister (1987/1990) wegen seiner notorischen Geldknappheit die Lizenz für die Serie B verweigert und den Traditionsclub in die Serie C verbannt. Seitdem brodelt es am Fuße des Vesuvs. Rettet Napoli, schrien 40 000 Tifosi bei einer Demonstration im Stadion San Paolo. Gemeinsam mit Politikern, Künstlern und so manchem Spekulanten rufen sie nach einem Retter des maroden Clubs, mit dem es seit Maradonas Skandal umwitterter Flucht aus Neapel Anfang der 90er Jahre stetig bergab ging.

Noch könnte Napoli gerettet werden, wenn einer tief in die Tasche greift und innerhalb weniger Tage einige dutzend Millionen Euro hinblättert, um die seit Monaten ausstehenden Spielergehälter zu zahlen und die vom Verband geforderten Garantien für die nächste Saison beizubringen. Der in Genf lebende Reeder Gianluigi Aponte ist einer, der das könnte. Der 64-jährige Neapolitaner setzt als zweitgrößter Containerschiff-Reeder der Welt knapp 5 Milliarden Dollar im Jahr um. Ich bin bereit, zu helfen, erklärte der Sponsor der Schweizer Americas-Cup-Yacht Alinghi in der La Gazzetta dello Sport.

Geld geben will der Herrscher über 331 Schiffe und 20 000 Angestellte. Jegliches Amt beim SSC Neapel lehnte Aponte aber ab. Eine öffentliche Person möchte ich nicht werden. Um den Chefsessel beim UEFA-Cupsieger von 1988 buhlen andere. Nach unzähligen erfolglosen Präsidenten in den vergangenen Jahren versucht sich nun FC Perugia-Besitzer Luciano Gaucci. Big Luciano will Neapels Verbleib in der zweiten Liga am Freitag vor dem Verwaltungsgericht in Rom erzwingen. Auch das Nationale Olympische Komitee Italiens (CONI) hat Gaucci schon um Gnade gebeten.

Vereinsintern hat der designierte Club-Präsident allerdings Konkurrenz bekommen. Plötzlich hat auch AC Siena-Besitzer Paolo De Luca die Liebe zu seiner Heimatstadt wiederentdeckt und sich als echter Neapolitaner und damit besserer Kandidat ins Spiel gebracht. De Luca spekuliert mit der Leiche des SSC Neapel, schimpfte Gaucci. Während er den bestehenden SSC Neapel retten wolle, hoffe De Luca in Wirklichkeit auf die endgültige Pleite des Clubs.

Ein vom CONI-Chef Gianni Petrucci eingeführtes Dekret sieht nämlich vor, dass der Startplatz eines Pleite gegangenen Traditionsclubs an dessen Heimatstadt übergeht. Ein neuer neapolitanischer Club ohne alte Schulden und mit neuen Sponsoren könnte dann an Stelle des SSC Neapel in der Serie B bleiben. So bliebe der Stadt der hochklassige Profi-Fußball durch einen kleinen Umweg erhalten.

Eine Idee, die auch vielen Verbandsfunktionären gefallen würde, die Neapel die Lizenz nur schweren Herzens entzogen haben. Das war ein schrecklicher Tag für den Fußball, sagte Figc-Präsident Franco Carraro, als er neben Neapel auch dem Zweitligisten Ancona und insgesamt neun Drittligisten die Lizenzen verweigerte. Der Ball ist nun den Anwälten und Finanzexperten zugespielt. Die Fans trösten sich derweil mit der Erinnerung an bessere Zeiten.


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