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Bayern geben Schalke-Jagd nicht auf | 2007-03-12


München - Fußball paradox: Erstmals in dieser Saison spielte Bayern München in der Bundesliga meisterlich, aber einen big point im Titelrennen feierte Werder Bremen. 10:1 Chancen, 1:1 nach Toren - nicht nur Ottmar Hitzfeld fühlte sich in der Allianz Arena wie im falschen Film.

Wir haben eine Dominanz auf dem Platz gezeigt, wir hätten 3:0 oder 4:0 führen müssen, haderte der Bayern-Trainer angesichts der rätselhaften Abschlussschwäche, die der dafür hauptverantwortliche Nationalstürmer Lukas Podolski in gewohnt schlichten, aber treffenden Worten zusammenfasste: So ist halt der Fußball. Manchmal gehen die Bälle rein, manchmal nicht.

Ein Versprecher von Thomas Schaaf dokumentierte, wie heilfroh der Tabellenzweite nach dem entgangenen Debakel sein durfte. Es war ein glücklicher Sieg, meinte der Werder-Coach. Den sprichwörtlichen Bayern-Dusel hatten diesmal die Bremer, auch wenn sie nach dem schmeichelhaften Remis kein schlechtes Gewissen plagte, wie Manager Klaus Allofs hervorhob: Der Punkt ist nicht gestohlen. Er war vielmehr ein Bayern-Geschenk an die derzeit wankenden Bremer, die in München auch noch den Ausfall von Miroslav Klose (Rücken) verkraften mussten. Du musst solche Phasen auch mal überstehen, meinte Allofs.

Für die Bayern war das bittere 1:1 (Hitzfeld) zwar ein Rückschlag bei der Jagd auf Schalke, Bremen und Stuttgart, aber sie bewerteten es auch als Fortschritt. Das war unser bestes Saisonspiel. So stellt man sich den FC Bayern vor, kommentierte Nationalspieler Philipp Lahm. Wir haben uns wieder unser Bayern-Gen zurückgeholt. Alle anderen haben wieder Angst vor uns, schwärmte Hasan Salihamidzic. Von Aufgabe im Titelrennen sprach niemand. Wir versuchen alles, bis zum Ende. Schalke kommt noch hierhin, bemerkte Podolski. Und Mark van Bommel erklärte: Wenn wir so weiter machen, können wir noch Dritter, Zweiter und Erster werden.

Gegen teilweise hilflose Bremer überzeugten die Bayern als Kollektiv - und versagten individuell. 1:0-Schütze Podolski (7.) und Salihamidzic vergaben auch nach dem 1:1 noch Chancen, bei denen das 2:1 kommen muss, wie Hitzfeld kritisierte. Und bei der einzigen Bremer Torchance, die eigentlich gar keine war, patzten wieder einmal Daniel van Buyten und vor allem Oliver Kahn. Das Gegentor war ein klassischer Stellungsfehler - und zu allem Überfluss kam auch noch Kahn aus seinem Tor, kommentierte Franz Beckenbauer die Szene, als der Bayern-Kapitän gegen Werder-Stürmer Hugo Almeida zu spät kam und Markus Rosenberg das Münchner Abwehrchaos zum 1:1 nutzte (67.).

Eigentlich hätte Kahns Patzer nur ein Schönheitsfehler sein dürfen, so kostete er zwei Punkte und wurde zum Politikum. Der Kapitän hatte seinem Team einen Bärendienst erwiesen, weil er sich trotz erheblicher Rückenprobleme wieder einmal nicht auswechseln ließ. Olli hatte schon in der Halbzeit Schmerzen. Aber er wollte unbedingt weiter machen und dazu beitragen, dass wir drei Punkte holen, bemerkte Hitzfeld zum falschen Ehrgeiz des 37-Jährigen. Er nahm den Kapitän aber auch in Schutz: Wir müssen vorher drei bis vier Tore machen, dann spielt auch das Gegentor keine Rolle.

Kahn patzte, Tim Wiese brillierte: Werders Schlussmann war fast im Alleingang dafür verantwortlich, dass die Bremer nicht unter die Räder kamen, sondern sich im Titelrennen wieder obenauf wähnen. Wir haben das leichtere Restprogramm, und ich denke, dass wir am Ende Meister werden, tönte Wiese.

Auch Kapitän Torsten Frings verwies darauf, dass Schalke und Bayern noch die dicken Brocken vor sich haben. Wir haben sie hinter uns. Allofs sieht Werder ebenfalls wieder in einer guten Ausgangsposition, trotzdem warnte er: Gegen Teams im Abstiegskampf zu spielen, kann manchmal schlimmer sein. Auch den Meister hat Allofs keinesfalls abgeschrieben: Drei Punkte Rückstand sind es auf uns, sechs auf Schalke - da ist noch viel möglich für die Bayern.


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