Osnabrück - Die mahnenden Worte konnten die freudetrunkenen Fans des VfL Osnabrück nicht hören. Gerade erst im Herzschlag-Finale aufgestiegen, warnte Trainer Claus-Dieter Wollitz bereits vor der kommenden Saison in der 2. Fußball-Bundesliga.
Wir sind der erste Abstiegkandidat, sagte der Coach des nach SV Wehen, TSG Hoffenheim und FC St. Pauli vierten und letzten Aufsteigers, während mehr als zehntausend Anhänger feiernd zum Rathausplatz zogen und die historische Altstadt in lila-weiß tauchten. Wir spielen jetzt mit Mannschaften wie Köln, Mönchengladbach oder Freiburg und sind in jedem Spiel der krasse Außenseiter. Das wird eine ganz, ganz schwierige Saison.
Bei aller Freude und Euphorie hatte Pele Wollitz seinen Realitätssinn schnell wieder gefunden. Der 41-Jährige fürchtet nach dem dritten Aufstieg des VfL in zehn Jahren den dritten Abstieg postwendend. Diese Begeisterung hier ist sensationell, aber auch die Erwartungshaltung, beschrieb der ehemalige Bundesliga-Profi die Stimmungslage in Niedersachsens drittgrößter Stadt. Zuletzt habe es viele Anfeindungen und viele Störfeuer von außen gegeben, berichtete Wollitz und gab zu: Manche Pfiffe taten weh.
Die Kritik am Trainer war zuletzt lauter geworden, weil die Osnabrücker nach monatelanger Tabellenführung in der Regionalliga Nord im nervenaufreibenden Endspurt leer auszugehen drohten und am letzten Spieltag nur dank der Hilfe des FC St. Pauli vom dritten auf den zweiten Platz kletterten.
In Gedanken war Wollitz schnell bei der kommenden Saison. Wir brauchen vier, fünf, sechs Charaktere dazu, sagte der VfL-Coach, dem mit Manager Lothar Gans nur wenig Geld für Neuverpflichtungen zur Verfügung steht. Wir können uns nicht mit einem Aufsteiger wie Hoffenheim messen, erklärte Wollitz. In Gaetano Manno aus Wuppertal steht erst ein Zugang fest, und mit dem begehrten Stürmer Addy-Waku Menga droht einer der besten Spieler den Club zu verlassen.
Für die anderen Zweitliga-Aufsteiger gab es eher ein entspanntes Halali, stand die Qualifikation für den Profi-Fußball doch schon länger fest. Im direkten Duell setzte sich die TSG Hoffenheim gegen Staffelsieger SV Wehen mit 2:1 durch, der FC St. Pauli ermöglichte durch ein 1:1 beim 1. FC Magdeburg den Osnabrücker Aufstieg.
Eine besonders gute Rolle in der 2. Liga traut man Hoffenheim zu. Der ehemalige Bundesliga-Trainers Ralf Rangnick kann sich dank der großzügigen Zuwendungen von Mäzen Dietmar Hopp eine schlagkräftige Truppe zusammenkaufen. In Wehen soll das Unternehmen Klassenerhalt mit sieben bis neun zweitligaerfahrenen Spielern angegangen werden. Gespielt werden wird wegen fehlender Möglichkeiten in der kleinen Gemeinde Taunusstein in Wiesbaden. St. Pauli baut auf das Wirken von Trainer Holger Stanislawski, der seinen Posten als Sportdirektor aufgibt und sich ganz auf die unmittelbare Arbeit mit der Mannschaft konzentriert.
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