Berlin - Die Angst spielt mit im achten Berlin-Brandenburg- Derby in der Fußball-Bundesliga. Gastgeber Hertha BSC ist nach sechs Pflichtspielen ohne Sieg im freien Fall und Trainer Falko Götz in der Diskussion.
Energie Cottbus, in der Saison-Endphase mit einem äußerst schweren Programm, steckt nach der jüngsten Heimpleite gegen Aachen wieder mitten im Abstiegskampf. Wir wissen alle, worum es in diesem Derby geht, erklärte Götz vor der Partie im Olympiastadion.
Kollege Petrik Sander versucht, allen Druck auf den Hauptstadtclub zu schieben: Die größere Nervosität liegt auf der Seite von Hertha. Wir werden genauso auftreten wie in Dortmund, sagte der Energie- Coach und meinte damit nicht nur die auffälligen neon-orangefarbenen Auswärts-Trikots. Mit dem 3:2 beim BVB trugen die Lausitzer zur Trennung von Jürgen Röber bei. Der Wind für Götz, der sein Team in Abgeschiedenheit im Brandenburger Dörfchen Sommerfeld vorbereitet, würde bei einem weiteren Cottbuser Streich garantiert noch eisiger.
Schon einmal, im Februar 2002, hatte Energie einen Hertha- Cheftrainer gestürzt. Nach einem 0:1 musste Röber seinen Hut nehmen. Zwar ist Götz von einem ähnlichen Schicksal selbst bei einem erneuten Negativ-Erlebnis noch ein Stück entfernt. Doch könnte sich gegen den Außenseiter aus der Lausitz schon weiter abzeichnen, ob der 44 Jahre alte Fußball-Lehrer, dessen Vertrag noch bis 2008 läuft, im Sommer die Chance auf einen neuen Anlauf mit seinem jungen Team behält.
Ich bin der Hauptverantwortliche, ich werde im Tagesgeschäft an Ergebnissen gemessen, auch wenn es nur ein Teil meiner Arbeit ist, bemerkte Götz selbst, fügte jedoch an: Ich lasse mich davon nicht beirren, wichtig sind die Arbeit mit der Mannschaft und das Spiel In Nationalspieler Arne Friedrich (Entzündung der Patella- Sehne) fällt ein wichtiger Berliner aus. Sorgenkind Yildiray Bastürk schlug sich in der Woche erneut mit Knieproblemen herum und sagte für die kommenden Länderspiele mit der Türkei bereits ab.
Die Verantwortlichen des FC Energie atmeten am Tag vor dem Derby leicht auf, denn möglicherweise kann Top-Stürmer Sergiu Radu doch auflaufen. Eine Untersuchung am Donnerstag ergab, dass sich der Rumäne nicht so schwer am Sprunggelenk verletzt hat wie befürchtet. Eine Bänderverletzung können wir ausschließen, sagte Teamarzt Andreas Koch. Eine endgültige Entscheidung soll möglicherweise erst kurz vor dem Anpfiff fallen. Neuzugang Ervin Skela ist nach langer Krankheit zunächst wieder als Joker vorgesehen.
Brisant ist auch der verletzungsbedingte Wechsel im Energie-Tor. Gerhard Tremmel hatte im vergangenen Sommer Hertha BSC verlassen, weil er dort nicht über die Rolle als Nummer 2 hinaus gekommen war. Aber auch in Cottbus konnte der 28-Jährige den Routinier Tomislav Piplica nicht verdrängen. Erst eine Gehirnerschütterung und nicht die vorherigen Fehler des 37-jährigen Kroaten eröffnen jetzt Tremmel die Chance. Er kann seine Bundesliga-Tauglichkeit nachweisen, sagte Trainer Sander, der allerdings keine Diskussion um die Nummer 1 will. Auch der Herausforderer hielt sich dieses Mal mit Ansprüchen zurück: Ich freue mich auf das Duell mit meinem alten Club. Es geht hier um drei Punkte für Energie Cottbus und nicht um Gerhard Tremmel.
Die voraussichtlichen Aufstellungen:
Hertha BSC: Fiedler - Jerome Boateng, van Burik, Simunic, Gilberto - Dardai - Kevin Boateng, Dejagah, Ebert - Pantelic, Gimenez
Energie Cottbus: Tremmel - Szelesi - McKenna, Kukielka, Cvitanovic - da Silva, Rost - Baumgart, Munteanu - Kioyo, Radu
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