Hamburg - Bundesliga-Dino Hamburger SV verfügt über eine Schule, der die Kinder sogar in den Ferien die Türen einrennen. Mit mehr als 3300 Kindern im Jahr ist die Fußballschule des HSV die größte ihrer Art in Deutschland.
Nachwuchskicker im Alter von sieben bis 13 Jahren werden in Wochenend- oder Ferienkursen mit der Fußballkunst vertraut gemacht. Viele sind schon Stammkunden und bereits zum wiederholten Male dabei. Schon vor Weihnachten sind die rund 60 Kurse für das kommende Jahr ausgebucht, sagt Fußballschulleiter Simon Köster.
Diese Form des modernen Marketings haben noch längst nicht alle Bundesliga-Clubs für sich entdeckt. Tabellenführer FC Schalke 04 bringt es mit seinem Knappen-Kids-Camp nur auf einen Kurs mit 96 Teilnehmern im Jahr. Vergleichbar mit unserer Schule sind höchstens noch die von Eintracht Frankfurt und Borussia Mönchengladbach, sagt Köster. Bei den Traditionsvereinen besuchen 1200 bzw 1000 Kinder die Kurse.
Ziel der Hamburger Fußballschule ist, neben dem Spaß am Fußball, die Begeisterung der jungen Generation für den eigenen Verein zu mobilisieren. Als kleine Botschafter sieht Köster die Kids, die im Anschluss an die Fußballschule nicht nur dem HSV die Daumen drücken, sondern auch ihre Erfahrungen in ihre Heimatvereine zu den Mitspielern und ihren Schulfreunden transportieren sollen. Auch die Eltern sind meist begeistert von den Kursen: Sie melden sich vielfach bei mir und berichten, dass ihr Schützling an Motivation und Selbstvertrauen sowie Wahrnehmung im Verein gewonnen hat.
Je fünf bis acht Trainer leiten die Kurse. In den Hamburger Frühjahrsferien war Ex-Profi Jimmy Hartwig dabei. Der 52-Jährige hat in der Bundesliga 244 Spiele bestritten, davon 182 für den HSV. Für den ehemaligen Mittelfeldspieler ist es eine große Freude, mit den Jugendlichen zu arbeiten, nachdem er gesundheitsbedingt zwei eigene Schulen aufgeben musste. Ich spreche ihre Sprache, sie sind meine Welt, sagte Hartwig.
Für jeden Kurs wird das Rahmenprogramm individuell gestaltet. Die Kinder dürfen sich zum Beispiel auf die Besichtigung der AOL-Arena freuen. Nach Möglichkeit wird auch das Treffen mit einem Profi sowie ein Essen im Club-Restaurant arrangiert. Im Preis von 169 Euro für die fünftägigen Kurse ist eine Trainingsausrüstung inbegriffen, kleine Geschenke wie Schal, Cap oder Trinkflasche kommen hinzu.
Bei den Trainingseinheiten steht nicht der Leistungsgedanke im Vordergrund. Auch Spieler ohne Erfahrung sind gerne gesehen, betont Köster. Dementsprechend ist nicht das primäre Ziel, Talente zu entdecken, obwohl durchaus welche dabei sind, erklärt der Hauptverantwortliche. Außerdem sollen sich die Jugendlichen in ihren Vereinen in Ruhe entwickeln.
Geboren wurde die Idee der Schule im Oktober 2003 als ein relativ kurzfristig initiiertes Pilotprojekt. Im folgenden Jahr besuchten etwa 1000 Kinder die angebotenen Kurse. Inzwischen geht die Fußballschule auch unter anderem nach Flensburg und Itzehoe auf Reisen. Auch Bernd Hoffmann, Vorstandsvorsitzender des Vereins, hat Sohn Mats (6) schon zwei Mal zur Fußballschule angemeldet.
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