Hamburg - Bei seinem Debüt als Trainer der nigerianischen Nationalmannschaft setzt Berti Vogts gegen Uganda hauptsächlich auf in Europa tätige Fußball-Profis.
Immerhin 33 von 37 Spielern, die im Kader der Super Eagles für das Qualifikationsspiel um den Afrika Cup 2008 stehen, rekrutierte der ehemalige Bundestrainer im Ausland. Das Herzstück des Olympiasiegers von 1996 bilden die Legionäre aus der englischen Premier League. Unter anderen John Mikel Obi (FC Chelsea), Obafemi Martins (Newcastle United) und Nwankwo Kanu (FC Portsmouth) werden für den zweimaligen Afrika-Cup- Gewinner auflaufen.
Natürlich brauchen wir die drei Punkte für unsere Qualifikation, aber mich interessiert nicht nur das Ergebnis. Ich erwarte auch eine gute Leistung des Teams, sagte der 60-jährige Coach. Nigeria führt nach zwei Siegen die Gruppe drei vor Uganda an. Doch die Ziele von Vogts bei seiner ersten Trainer-Station in Afrika reichen weit über kontinentale Achtungserfolge hinaus.
Mit Respekt, guter Organisation und Disziplin auf und neben dem Platz können wir den nigerianischen Fußball auf die nächste Stufe heben, sagte Vogts, der vom Potenzial seiner Mannschaft überzeugt ist. Fußballerisch bescheinigte der Weltmeister von 1974 den Afrikanern bereits ein hohes Niveau. Ich habe ein Überangebot an erstklassigen Offensiv-Spielern. Im Defensivbereich wird sich aber mit Sicherheit etwas tun, kündigte der frühere Weltklasse-Abwehrspieler nach seinem Amtsantritt am 14. März in Abuja an. Schließlich wolle er nicht nur schönen, sondern auch erfolgreichen Fußball lehren, um den Traum vom Halbfinale bei der Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika Wirklichkeit werden zu lassen.
Dafür führt ihn sein Weg erst einmal zurück nach Europa, wo er 2004 aus schottischen Diensten entlassen worden war. Dort will Vogts seine Spieler in der Liga beobachten und bei den Vereinen viel Überzeugungsarbeit leisten. Noch müssen die Nationalspieler wegen der Abstellfristen zu Länderspielen oftmals um ihren Stammplatz im Club bangen. Ich werde voraussichtlich nur zehn Tage im Monat in Nigeria sein, prophezeit Vogts, der zuletzt sogar Lob von alter Wirkungsstätte bekam. Es sei ihm zu verdanken, dass Schottland nun auf Platz 16 der FIFA-Weltrangliste steht, sagte Nationalspieler Gary Naysmith vom FC Everton.
Der Nordrhein-Westfale ist jedoch nicht der einzige Deutsche, der sich auf dem afrikanischen Kontinent derzeit als Nationaltrainer versucht. Auch Uli Stielike (Elfenbeinküste), Antoine Hey (Gambia) und Michael Nees (Ruanda) stehen dort unter Vertrag. Weltenbummler Rudi Gutendorf war seit 1976 sogar auf sieben Trainerstationen aktiv. Dass deutsche Übungsleiter so gefragt sind, wundert Vogts nicht, denn die Ausbildung in Deutschland sei die beste in der Welt.
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