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Weltmeister auf der Suche nach alter Grandezza | 2007-06-05


Rom - Mamma mia, was ist bloß aus den Weltmeistern geworden? Vor dem Europameisterschafts-Qualifikationsspiel in Litauen schauen Italiens Fußballfans ungläubig auf ihre vor einem Jahr noch gefeierten Azzurri.

Die Grandezza von Berlin ist verblasst, die stolzen Bezwinger von Deutschland und Frankreich bei der WM 2006 sind auf dem steinigen Weg zur EM 2008 zu einer orientierungslosen Truppe geworden. Ein planloser Nationaltrainer Roberto Donadoni, ein altersmüder Teilzeit-Spielmacher Francesco Totti, verunsicherte Altstars und ein Fußballverband im Clinch mit der eigenen Liga - von wegen Bella Italia!

Nicht einmal die vier Siege in Serie in der EM-Qualifikation brachten Ruhe. Nach dem blamablen 1:1 gegen Litauen im Hinspiel in Neapel vor knapp einem Jahr und dem 1:3 bei der WM-Revanche in Frankreich kletterte Italien (13 Punkte) immerhin hinter Frankreich (15) bis auf Platz zwei, spielerisch aber ging es bergab: Beim 2:1-Sieg auf den Färöer Inseln schrammte der viermalige Weltmeister nur knapp an einer Blamage vorbei.

Den Schuldigen haben Tifosi und Presse schon gefunden: Trainer Donadoni, der in den riesigen Fußstapfen seines Vorgängers Marcello Lippi zu versinken droht. Donadoni beweist immer mehr, dass ihm für eine so delikate Aufgabe die Erfahrung fehlt, kritisiert die La Gazzetta dello Sport. Der 43-Jährige sei ohne Charisma und planlos: In einem Jahr probierte er vier verschiedene Spielsysteme und berief 55 Spieler, davon elf Debütanten. Das sei ein Wegwerf-System spottet die La Gazzetta dello Sport.

Donadonis Personalentscheidungen werden kritisiert, seine taktische Aufstellung löst Kopfschütteln aus. Mit Andrea Pirlo auf einer zurückgezogenen Mittelfeldposition wurde Italien Weltmeister und der AC Mailand Champions-League-Sieger, Donadoni schickt den genialen Regisseur im Mittelfeld auf immer neue Positionen.

Vor seinem Schicksalsspiel gegen Litauen in Kaunas will sich Donadoni nicht in die Karten schauen lassen. Die Tifosi fürchten schon, dass am Ende Italiens Retter Filippo Inzaghi mal wieder die Kohlen aus dem Feuer holen muss, so wie auf den Färöer Inseln. Vom Verband kommt noch verbale Rückendeckung, auch wenn Skeptiker meinen, in Rom suche man bereits nach einem neuen Trainer.

Wir haben alle Fähigkeiten, um zur EM zu kommen, sagte Verbandspräsident Giancarlo Abete. Wegen der entscheidenden Spiele gegen Frankreich und die Ukraine Anfang September will er die Liga früher starten lassen, damit die Stars eingespielt sind. Die Liga rebelliert jedoch gegen den vorgezogenen Start am 19. August.

Im Herbst will sich dann auch Totti wieder die Ehre geben. Für die wichtigen Spiele stehe ich bereit, sagte der Römer nach seiner einjährigen Auszeit. Ein Teilzeit-Spielmacher reicht aber nicht, meinen die Experten, die für die Azzurri nach einer starken Führungsfigur suchen, die sie in dem sanften Donadoni nicht sehen.


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