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Bewährungsprobe für DFB-Schattenelf gegen Dänemark | 2007-03-27


Düsseldorf - Die Stars von Prag sitzen daheim auf dem Sofa, der Gegner und sogar eigene Fans fühlen sich verschaukelt - doch die Schattenmänner von Michael Ballack und Co. wollen die Dänen schlagen und die Protestler widerlegen.

Bundestrainer Jochim Löw und sein Assistent Hansi Flick versprechen den 31 500 Fans in der Duisburger MSV-Arena und den Millionen vor den TV-Geräten trotz einer totalen Personal-Rotation einen ähnlich attraktiven und offensiven Auftritt wie beim beeindruckenden 2:1-Sieg um EM-Punkte in Tschechien.

Jeder Spieler will seine Chance nutzen. Wir wollen das Spiel gewinnen, verkündete Flick nach dem Abschluss-Training des deutschen Bubi-Teams in Düsseldorf. Es wäre der 450. Sieg für eine DFB-Auswahl, an dem aber zahlreiche zahlende Fans offenbar keinen rechten Gefallen finden würden. Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) reagierte überraschend mit einer Ticket-Option. Alle Besucher des Testspiels bekommen ein Vorkaufsrecht auf ein Heimspiel in der EM-Qualifikation, wenn wieder die Topstars für Deutschland spielen.

Damit reagierte der Verband anscheinend auf Beschwerden von enttäuschten Fans, die in Duisburg für den vollen Preis nur eine Perspektiv-Mannschaft zu sehen bekommen. Er verstehe jene Zuschauer, die Karten in dem Glauben erworben haben, ihre WM-Idole zu sehen. Für diese Fans werden wir uns etwas einfallen lassen, erklärte Verbands-Präsident Theo Zwanziger. Ungeachtet dessen trage er aber die sportliche Marschroute von Löw hundertprozentig mit.

Auch Gegner Dänemark fühlt sich von den Deutschen veralbert. Das ist respektlos vom Deutschen Fußball-Bund, dass ich so etwas aus der Zeitung erfahren muss, kritisierte Trainer Morten Olsen den Verzicht auf gleich acht Stars beim Gastgeber. Ähnlich viele Stammkräfte hatten zuletzt beim Confederations Cup 1999 in Mexiko unter Teamchef Erich Ribbeck gefehlt - allerdings aus ganz anderen Beweggründen.

Für Olsen zählt Löws Argumentation nicht, das Spiel als große Sichtungschance zu nutzen. Als wir das Spiel vor Monaten abgemacht haben, sind wir davon ausgegangen, dass wir gegen die stärkste Mannschaft antreten, moserte der Ex-Kölner und sorgte so für neuen Zündstoff. Teammanager Oliver Bierhof widersprach Olsen und warf dem Kontrahenten Respektlosigkeit gegenüber den jungen deutschen Spielern vor: Von einer Absprache, dass beide mit der besten Mannschaften antreten, ist bei den Verhandlungen nie die Rede gewesen.

Auch die Sportliche Leitung wies jeden Vorwurf, die Freundschafts-Begegnung würde zu einer Farce, entschieden zurück. Nein, sagte Flick: Wir blicken in der Ära Löw weiter. Was ist in zwei, drei Jahren. Wo sind die Spieler, die wir bei der WM 2010 und der EM 2012 auf hohem Niveau haben? Die Partie sei zudem vor Monaten als Perspektivspiel angekündigt worden.

In dem Hannoveraner Torhüter Robert Enke, dem Leverkusener Simon Rolfes und dem Stuttgarter Roberto Hilbert stellt Löw gleich drei Neulinge in die Startelf. Darüber hinaus kündigte Flick den sicheren Einsatz von Gonzalo Castro im Laufe der 90 Minuten an. Dazu besitzen auch dessen Leverkusener Club-Kollege Stefan Kießling und der Kölner Zweitliga-Stürmer Patrick Helmes beste Chancen mindestens auf einen Kurzeinsatz im ersten Länderspiel in Duisburg seit fast 74 Jahren.

Die Dänen brauchen uns nicht zu unterschätzen. Es ist für jeden eine Chance, sich in den Vordergrund zu spielen, deutete Rolfes an, wie die zweite deutsche Garnitur auf ihre Premiere brennt. Trotz der Unerfahrenheit von insgesamt nur 87 Länderspielen und einem Durchschnittsalter von 24,4 Jahren (in Prag lag der Schnitt bei 26,4) will schon das Startteam die Zweifler widerlegen, die in der Löwschen Perspektiv-Mannschaft eine Mogelpackung sehen. Wir werden keinen Schiss haben. Jeder wird Gas geben, es ist kein halbes, sondern ein ganzes Länderspiel, betonte der 19-jährige Castro.

Ich denke schon, dass es ein richtiges Länderspiel ist, sagte Rolfes, der gegen die Dänen zusammen mit Thomas Hitzlsperger im Mittelfeld Ballack und Frings spielen soll. Löw will das Spielsystem seiner A-Elf exakt auf die Nachrücker übertragen. Der Stuttgarter Hilbert übernimmt die Schneider-Rolle. Piotr Trochowski wird den Schweinsteiger mimen. Und als Podolski-Double ist der Noch-Aachener und zukünftige Münchner Jan Schlaudraff vorgesehen.

Der Trainerstab will erkennen, wer ist ein Mann für die Zukunft, wer hat Qualitäten, sagte Flick. Dagegen interessiert die Trainer nur am Rande, ob in Kevin Kuranyi der Mann mit den meisten Länderspielen (37) oder der treue WM-Reservist Thomas Hitzlsperger die Mannschaft als Kapitän in die ausverkaufte MSV-Arena führen wird.


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