München - Bei der Meisterprüfung in München fiel Schalke durch, aber ausgerechnet Bayerns Abteilung Attacke versagte sich eine Kampfansage an den wankenden Tabellenführer.
Im neu entfachten Vierkampf um den Titel stapelte Uli Hoeneß nach dem verdienten 2:0 des Fußball-Rekordmeisters im Bundesliga-Gipfel demonstrativ tief. Ich denke, dass Schalke das schafft. Unsere Meisterchancen sind sehr klein. Das Tragische des Tages ist, dass der VfB Stuttgart gewonnen hat, sagte der Manager mit Blick auf die Champions-League-Plätze und verkündete: Unser Ziel ist nach wie vor Platz drei, alles andere spielt in unseren Gedanken keine Rolle.
Im Kopf hatten die Bayern nach dem Abpfiff nur noch den AC Mailand. Durch den Sieg muss man sich nicht mehr groß mit dem Spiel gegen Schalke beschäftigen, meinte Trainer Ottmar Hitzfeld. Er hatte schon bei den Auswechslungen von Torjäger Roy Makaay (71.) und Abwehrchef Lucio (84.) an das Viertelfinal-Hinspiel in der Champions League an diesem Dienstag gedacht: Ich wollte sie etwas schonen.
In der Bundesliga genügt es den Bayern einstweilen, dass die Konkurrenz sie wieder auf der Rechnung hat und im Endspurt nervös werden könnte. Wir reden nicht über die Meisterschaft, aber die anderen machen es schon. Wir stehen sechs Punkte hinter Schalke, vier hinter Bremen und zwei hinter Stuttgart, aber jeder rechnet noch mit uns, stellte Mittelfeldstar Mark van Bommel vergnügt fest.
Schalke spielte vor 69 000 Zuschauern in der Allianz Arena jedenfalls nicht wie ein kommender Meister. Wir haben kein Herz und keinen Mut gehabt, kommentierte Fabian Ernst. Ohne den gesperrten Spielmacher Lincoln ging nach vorne fast nichts. Wir hatten einen Stotterer im Angriffsmotor, meinte Manager Andreas Müller. Nur ein Sieg aus den letzten sechs Spielen ist eine Krise. Zudem verletzte sich Stürmer Peter Lövenkrands beim Comeback erneut am rechten Fuß und fällt wohl für den Rest der Saison aus. Trainer Mirko Slomka mahnte trotzig zur Ruhe: Es liegt alles noch in unseren Händen.
In München war Slomkas Mannschaft von Anfang an nicht da, wie Nationalstürmer Kevin Kuranyi einräumte. Schon in der 3. Minute erzielte Makaay mit seinem 100. Pflichtspieltor für Bayern das 1:0. Hasan Salihamidzic sorgte für die Entscheidung (78.). Schalke hatte nicht den Hauch einer Chance, stellte Makaay fest: Sie haben Manuel Neuer zu verdanken, dass sie nicht höher verloren haben. Tatsächlich hätte Schalke ohne den starken U 21-Nationaltorhüter fünf Stück kriegen können, wie Hoeneß bemerkte: Hut ab vor dem Jungen.
Geredet wurde hinterher aber mehr über den kaum geforderten Oliver Kahn. Nach der Dopingproben-Affäre, die ihm eine Sperre für Mailand eingetragen hatte, fiel der Bayern-Kapitän schon wieder aus der Rolle und hätte nach einer handgreiflichen Attacke gegen Sören Larsen vom Platz fliegen müssen (68.). Schiedsrichter Herbert Fandel ahndete den Akt der Selbstjustiz nur mit Gelb. Es war ein Grenzfall. Schlägt Kahn oder schlägt er nicht? Das war für mich der Unterschied zwischen Gelb und Rot. Beides war vertretbar. Ich habe mich für die geringere Strafe entschieden, erläuterte Fandel. Das war klar Rot, meinte Larsen und wunderte sich: Ich weiß nicht, warum Kahn das macht.
Darüber rätselte auch Franz Beckenbauer, der im Gegensatz zu Hitzfeld (Kahn sieht Gelb, der Fall ist abgeschlossen) den Torwart scharf rügte. Ich weiß nicht, was mit ihm los ist. Das gehört zum Boxkampf Maske gegen Hill, aber nicht auf den Fußballplatz. Ich weiß nicht, warum er sich im Moment so aggressiv aufführt, erklärte der Bayern-Präsident. Kahn kann machen, was er will und nichts passiert, schimpfte Schalke-Kapitän Marcelo Bordon, der nach dem Abpfiff mit Kahn noch im Kabinengang verbal aneinander geriet.
Kahn selbst flüchtete wortlos aus dem Stadion. Die Schalker mochten trotz ihrer Wut auf Kahn und Fandel die Niederlage nicht auf die verpasste Überzahl beim Stand von 0:1 zurückführen. Obwohl wir ein bisschen Hilfe des Schiedsrichters durchaus hätten brauchen können, wie Larsen anmerkte. Der Stürmer hob aber lieber das Positive aus Schalker Sicht hervor. Eine Niederlage in München kann passieren, aber wir haben noch zwei Punkte Vorsprung auf Bremen.
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