Hamburg - In der Slowakei sitzt der Frust über die 1:4-Pleite im Hinspiel noch tief, doch Fußball-Nationaltrainer Jan Kocian macht seinen Landsleuten wenig Hoffnung auf die ersehnte Revanche.
Wir spielen gegen die drittbeste Mannschaft der Welt, die nicht nur Favorit in diesem Spiel und in unserer Gruppe ist, sondern auch ein starker Anwärter auf den Gewinn der Europameisterschaft, sagte der frühere Bundesligaprofi vor dem EM-Qualifikationsspiel gegen Deutschland in Hamburg.
Bei der Rückkehr in seine alte Heimat hofft der ehemalige St. Paulianer bis zuletzt auf einen Einsatz des Nürnbergers Robert Vittek. Sein Zustand verbessert sich von Stunde zu Stunde, sagte Kocian, der neben Vitteks Vereinskollegen Marek Mintal auf mehrere weitere Stammspieler verzichten muss.
Für die Slowaken ist der Auftritt in Hamburg praktisch schon die letzte Chance zur EM-Qualifikation. Es geht um alles, titelten die sonst eher kritischen Zeitungen in Bratislava und stellten sich geschlossen hinter das Nationalteam. Besonders das 0:0 des großen Nachbarn Tschechien in Wales hat in dem seit 1993 unabhängigen Staat wieder Hoffnungen geweckt, den auf dem zweiten Rang der Gruppe D liegenden Erzrivalen noch abzufangen. Mit bislang nur neun Punkten ist die Lücke für die Viertplatzierten Slowaken aber schon groß.
Das Hinspiel-Debakel gegen Deutschland wird als zusätzlicher Ansporn genommen: Diese Niederlage vergessen zu machen und uns zu revanchieren, nannte Verteidiger Jan Durica als Hauptmotivation für das Spiel in Hamburg. Auch in Deutschland haben wir eine Chance, wenn wir uns nicht vor dem Gegner fürchten. Noch mehr Selbstbewusstsein demonstrierte Mittelfeldspieler Marek Sapara: Zufrieden bin ich erst, wenn wir gewonnen haben. Jedes Spiel beginnt beim Stand von 0:0 und ich glaube, dass wir gewinnen können. Wir haben nichts zu fürchten.
Gerade für seine vielen jungen Spieler könne es besonders verlockend sein, gegen den großen Favoriten eine gute Leistung zu bieten, hofft Kocian. Vor einem sonst für slowakische Fußballer kaum vorstellbaren Millionenpublikum an TV-Zuschauern hofft er auf eine Leistungsexplosion. Bei solchen Gelegenheiten kann jeder Spieler über sich hinauswachsen.
Vitteks Genesung steht bei der Vorbereitung der zwei Tage vor dem Spiel in Hamburg angereisten Slowaken im Mittelpunkt. Bis Mittwoch sollte er fit sein und spielen können, sagte Teamarzt Vladimir Pener. Ein anderer Wunsch wird sich für Kocian in seiner alten Heimat allerdings nicht erfüllen: Schade, dass das Spiel nicht auf St. Pauli stattfindet, sagte der frühere Kiez-Kicker.
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