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Paschings Rückzugsofferte kein Aprilscherz | 2007-04-01


Wien - Krawalle, Klagen, Insolvenzen - und nun auch noch ein wie ein Aprilscherz anmutendes Rückzugsangebot. Österreichs Fußball gibt ein Jahr vor der EM im eigenen Land ein jämmerliches Bild ab und droht nach der Punkte-Posse um den Grazer AK im Chaos zu versinken.

Nur einen Tag nach der Rückgabe von 28 Zählern an den Erstligisten per Einstweiliger Verfügung durch ein Gericht kündigte Ligakonkurrent Superfund Pasching eine noch nie da gewesene Maßnahme an. Aus Unmut über die Situation in der Bundesliga erwägt der Verein freiwillig aus der höchsten Spielklasse auszusteigen.

Wir haben dieses Thema durchdiskutiert. Denn das Hickhack rund um die steirischen Vereine ist derart schädlich, dass es gescheiter ist, dass einmal einer geht, sagte Pasching-Präsident Franz Grad. Mit diesem einmaligen Zeichen will man offenbar gegen die Vereinspolitik der beiden in der Krise steckenden Clubs Grazer AK und Sturm Graz protestieren. Die Grazer feiern ja Konkurse, als ob sie bei den Olympischen Spielen Gold gewonnen hätten, sagte Grad. Schulden machen und dann feiern Hurra, wir fangen neu an, das geht doch nicht.

Und ein möglicher Abnehmer der Pasching-Lizenz scheint auch schon gefunden. Kärntens Landeshauptmann Jörg Haider will den derzeitigen Zweitligisten FC Kärnten ins Oberhaus hieven und im EM-Stadion von Klagenfurt spielen lassen. Es laufen Gespräche, aber es gibt noch nichts Konkretes. Wenn die Kärntner aber sagen, sie machen mit, dann ist es vielleicht eine Lösung, sagte Grad. Haider preschte nach Grads sehr interessantem Signal noch weiter voran. Wir wollen Anfang Mai soweit sein, dass alles unter Dach und Fach ist, sagte der Politiker.

Der ungewöhnliche Deal könne über eine Fusion der beiden Vereine realisiert werden und gibt dem Paschinger Rückzugsangebot somit einen anderen Beigeschmack. Offenbar hatte es schon vor einigen Monaten Gespräche über einen wirtschaftlich lukrativen Zusammenschluss gegeben. Sogar Trainernamen werden schon gehandelt, darunter auch der frühere Bundesliga-Coach Kurt Jara oder der kürzlich bei 1860 München entlassene Walter Schachner.

Sportliche Aspekte spielen in der Bundesliga mit dem souveränen Tabellenführer Red Bull Salzburg unter dem Trainer-Duo Giovanni Trapattoni und Lothar Matthäus derzeit überhaupt keine Rolle mehr. Stattdessen müssen sich die Liga-Verantwortlichen auf eine Prozesslawine einstellen, denn die Grazer Konkurrenz fühlt sich betrogen. Der SV Ried schätzt den Schaden für die ganze Liga auf 15 Millionen Euro und will das Geld einfordern. Diskutiert wird, ob die Bundesliga in der kommenden Saison von zehn auf zwölf Starter aufgestockt wird. So könnten langwierige Prozesse vermieden werden.

Dem Grazer AK waren im März wegen Insolvenz, Verstößen gegen Lizenzauflagen und ungeklärter Gehaltsforderungen insgesamt 28 Punkte aberkannt worden. Auch Sturm Graz wurden 13 Zähler aberkannt, im Gegensatz zum Lokalrivalen aber nicht wieder zugesprochen. Ungemach droht dem Österreichischen Fußballverband (ÖFB) aber auch durch die FIFA, da 6 der 28 Punkte wegen ausstehender Gehaltsforderungen eines Spieler auf Anordnung des Weltverbandes aberkannt worden waren. Man arbeite mit Hochdruck an einer Lösung hieß es am Sonntag beim ÖFB in Wien.


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