Stuttgart - Armin Vehs Traum steht kurz vor der Erfüllung. Der Trainer des VfB Stuttgart will das DFB-Pokalfinale endlich einmal nicht als Privatmann, sondern von der Bank aus erleben: Das reizt mich ungemein.
Dank eines hoch verdienten 2:0 (1:0)-Erfolgs im Viertelfinale über Hertha BSC fehlt den veh-nomenalen Schwaben nur noch ein Sieg, um am 26. Mai erstmals seit zehn Jahren wieder im Berliner Olympiastadion um den begehrten Cup kämpfen zu können. Wir haben uns in der Meisterschaft keine Ziele gesetzt, aber im Pokal haben wir schon vor der 1. Runde gesagt, dass wir nach Berlin wollen. Jetzt haben wir einen weiteren großen Schritt gemacht, betonte Veh.
Hertha BSC hat bereits am Tag nach der Pleite auf das enttäuschende Aus mit einer Krisensitzung reagiert. Manager Dieter Hoeneß und Trainer Falko Götz unterhielten sich am Nachmittag unmittelbar nach der Rückkehr aus Stuttgart mit dem Mannschaftsrat und einigen erfahrenen Spielern, um sie auf das schwere Bundesliga-Spiel gegen den FC Bayern München einzuschwören. Ich habe seit der Rückrunde das Gefühl, das irgendetwas ins Stocken geraten ist. Wir sind nicht mehr zu 100 Prozent als Gemeinschaft aufgetreten - auch nicht in Stuttgart, kritisierte Hoeneß. Es war ungeheuer wichtig, die Dinge nach dieser Enttäuschung vom Vortag aufzuarbeiten.
Entsetzt schien Hoeneß, dass sein Team die große Chance, erstmals den DFB-Pokal zu gewinnen, nicht erkannt habe und nicht die nötige Reaktion auf die Forderungen des Trainers gezeigt habe. Dennoch blieben harte Konsequenzen für die Spieler - zumindest offiziell - noch aus.
Beim VfB herrschte dagegen Freude pur: Der erste Einzug in die Runde der Top-Vier seit sechs Jahren ist für den VfB aus mehreren Gründen wichtig. Die Chance, einen Titel zu holen, tut dem Verein gut. Das ist nicht nur aus finanzieller Sicht ein Gewinn, das ist auch eine Prestigesache, sagte Teammanager Horst Heldt. Zugleich ist die Fortsetzung des Höhenflugs in Bundesliga und Pokal eine Bestätigung für die von Veh geleistete komplizierte Umbau-Arbeit nach dem Fiasko mit dem kläglich gescheiterten Star-Trainer Giovanni Trapattoni. Bis auf die Nürnberg-Partie habe die Mannschaft konstant gut gespielt, lobte der 46-Jährige seine Schützlinge.
Thomas Hitzlsperger, der nach Cacaus beruhigender Führung (38. Minute) mit seinem fulminanten Fernschuss zum 2:0 (77.) alles klar machte, konstatierte: Wir spielen derzeit sehr gut zusammen und stehen hinten exzellent. Das ist der Schlüssel zum Erfolg. Torhüter Timo Hildebrand, der sich gerne mit einem Titelgewinn am Saisonende verabschieden möchte, strich den Anteil der vielen jungen Spieler heraus: Es ist toll, was sie leisten. Allein Torjäger Mario Gomez fiel etwas ab. Der Jung-Nationalspieler musste in der Pause ausgewechselt werden. Bei einer Kernspintomographie wurde tags darauf eine leichte Oberschenkelzerrung diagnostiziert. Gomez Einsatz bei Bayer Leverkusen ist dadurch gefährdet.
Auch wenn gegen die Berliner die beim Bundesliga-0:0 schmerzlich vermissten Leitwölfe Pavel Pardo und Fernando Meira (2. Halbzeit) wieder mitwirkten, waren neben den erneut überzeugenden Cacau und Ludovic Magnin junge Wilde wie Sami Khedira und Serdar Tasci (beide 19) die Sieg-Garanten. Es läuft einfach super und macht viel Spaß, schwärmte Cacau vom beeindruckenden Aufschwung. Der Brasilianer, mit je einem Treffer in den bisherigen vier Partien so etwas wie der neue Stuttgarter Pokal-Held, stellte dies selbstlos als Verdienst der ganzen Mannschaft heraus, die vor Selbstvertrauen nur so strotzt.
Dieses Selbstvertrauen soll nun auch Bayer Leverkusen zu spüren bekommen. Gegen den Schalke-Bezwinger will der VfB seinen zweiten Tabellenplatz festigen. Wir versuchen, Bayer mit Selbstbewusstsein und Kraft zu schlagen, versprach Cacau. Veh warnt allerdings schon: Das wird nicht einfach. Leverkusen ist auf dem aufsteigenden Ast. Für das Pokal-Halbfinale Mitte April haben die Schwaben vor allem einen Wunsch: Ein Heimspiel wäre schön, egal gegen wen, so Veh.
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