Mönchengladbach - Das späte Glück durch Paolo Guerreros spektakulären Kurzauftritt hat die Aussichten auf den Klassenverbleib beim Hamburger SV sprunghaft steigen lassen.
Noch ist nichts erreicht. Aber die Chancen sind sicher besser als noch vor Monaten erwartet wurde, befand Clubchef Bernd Hoffmann nach dem 1:0 (0:0)- Erfolg beim abgeschlagenen Schlusslicht Borussia Mönchengladbach. Während sich die Gladbacher mit dem zweiten Abstieg aus der Fußball- Bundesliga nach 1999 allmählich abfinden, glauben die in der Rückrunde enorm erstarkten Hanseaten fest an ihre Rettung. Nächste Woche gegen Mainz wollen wir das klären und 38 Punkte erreichen. Dann sind wir da unten raus, versprach HSV-Profi Joris Mathijsen.
Matchwinner für die Hamburger war der erst in der 90. Minute eingewechselte und 40 Sekunden später erfolgreiche Peruaner Guerrero, der erst zum zweiten Mal in der Rückrunde für kurze Zeit zum Zuge kam. Formschwäche und Verletzungen warfen den zu Saisonbeginn für 2,8 Millionen Euro vom FC Bayern München verpflichteten Angreifer immer wieder zurück. Mit seinem ersten Einsatz seit zwei Monaten rettete er dem HSV zum zweiten Mal in dieser Saison einen Auswärtssieg. Zuvor sorgte er mit seinen beiden Treffern beim 2:1 in Leverkusen am 22. Oktober 2006 für den einzigen Hinrunden-Sieg der Hamburger.
Dieser Erfolg muss uns jetzt wieder Selbstvertrauen geben, sagte Huub Stevens. Für den HSV-Coach, der wegen der Erkrankung seiner Frau einige Zeit nicht bei der Mannschaft war, ist der Abstiegskampf damit jedoch noch lange nicht beendet. Es geht weiter. Das waren nur drei Punkte. Aber eigentlich müssten wir uns schämen, dass wir nur 35 Punkte haben, bei dieser Qualität im Team, meinte der Niederländer, der seinem Team nach dem Samstag-Training zwei freie Tage spendierte.
Niedergeschlagenheit und Ernüchterung herrschen beim Mönchengladbacher Traditionsclub, der zum wiederholten Mal die Chance zum Anschluss verpasste und nach einer erneut schwachen Leistung den bitteren Abstieg wohl nicht mehr vermeiden kann. Das war ein Riesenschritt in die 2. Liga. Ich kann das noch gar nicht begreifen, gestand Borussia Nationalspieler Marcell Jansen. Das ganze Team war sehr betroffen. Wir sind sehr frustriert. Das ist schon bitter, gab Michael Delura zu. Der frühere Gladbach-Profi und heutige Premiere- Experte Stefan Effenberg machte die Clubführung für den sportlichen Niedergang verantwortlich und befand: Das wars für die Borussia.
Die Planungen für die 2. Liga laufen beim fünfmaligen deutschen Meister längst. Mit abgespecktem Etat und möglichst vielen Spielern aus dem jetzigen Kader soll Trainer Jos Luhukay das Unternehmen Wiederaufstieg angehen. Allerdings ist noch längst nicht klar, dass alle Profis, die Verträge für die 2. Liga haben, dort auch für die Borussia spielen werden. Wir müssen abwarten, was auf uns zukommt. Ich weiß nicht, welche Interessen die Spieler haben, sagte Luhukay. Marcell Jansen fordert trotz des wachsenden Rückstandes auf Rang 15 in den restlichen fünf Spielen bedingungslosen Einsatz: Wir müssen da rausgehen und um jeden Zentimeter kämpfen. Egal, wie die anderen Mannschaften spielen. Das sind wir den Fans und uns schuldig.
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