Hamburg - Die europäischen Tageszeitungen beschäftigen sich am Tag nach der Vergabe der EM-Endrunde 2012 an Polen und die Ukraine besonders mit der politischen Dimension dieser Entscheidung und der Rolle von UEFA-Präsident Michel Platini bei der Wahl.
UKRAINE:
Delo (Kiew): Bis zum Jahr 2012 muss die Ukraine noch sehr viele Aufgaben bewältigen.
Donbass (Donezk): Das ist einfach nur fantastisch. UEFA-Präsident Michel Platini hat Wort gehalten.
Den (Kiew): Vielleicht wird man irgendwann sagen können, dass die Entscheidung über den Austragungsort der Europameisterschaft 2012 der Ukraine den Weg nach Europa freigemacht hat. Es kann gut sein, dass die Ukraine in fünf Jahren so nah an Europa herangerückt ist, dass die Aufnahme in die EU nur noch eine technische Angelegenheit ist.
ITALIEN:
La Gazzetta dello Sport: Italien ist auf den Arm genommen worden.
DÄNEMARK:
Politiken: Die UEFA hat nun wirklich das Tor nach Osteuropa aufgestoßen. Aber weder Polen noch die Ukraine haben die nötige Infrastruktur. Und sind noch sehr weit entfernt davon.
SPANIEN:
El Mundo: Europas Fußball blickt in den Osten. Die Entscheidung passt zur Linie von UEFA-Präsident Michel Platini, der die Präsenz der großen Vereine und der Champions League reduzieren und den kleineren Fußballnationen mehr Geltung verschaffen will.
Marca: Die EM geht an den Osten. Die Italiener, die sich selbst als Favoriten betrachtet hatten, erlebten eine ähnliche Überraschung wie die Spanier vor acht Jahren, als die EM 2004 entgegen alle Erwartungen an den Außenseiter Portugal vergeben wurde.
As: Polen und die Ukraine schnappen Italien die EM 2012 weg. Dies ist die Quittung von Michel Platini an die Italiener dafür, dass sie ihm bei der Wahl des UEFA-Präsidenten nicht ihre Stimmen gegeben haben.
SCHWEIZ:
Neue Zürcher Zeitung: Ein Zeichen der Zeit. Womöglich war es schlicht an der Zeit, die EM erstmals seit 1976 (Jugoslawien), als das Turnier noch ein Europacup für Nationalmannschaften war, in den Osten Europas zu vergeben.
Basler Zeitung: Ein mutiger Entscheid der UEFA.
Blick: Faustdicke UEFA-Überraschung. Damit hat wohl keiner gerechnet: Der übernächste Europameister wird in Polen und in der Ukraine ausgespielt. Erstmals seit Jugoslawien 1976 findet wieder eine EM in Osteuropa statt. Die Doppelkandidatur setzte sich mit 8:4 Stimmen durch und versetzte Favorit Italien einen Schlag. Nach vielen Skandalen sollte diese EM die Möglichkeit zur Selbstreinigung bieten.
ENGLAND:
Daily Telegraph: Gewalt brachte Italien um die Chance, die Europameisterschaft 2012 ausrichten zu dürfen. Darüber hinaus war Platini fest entschlossen, jene kleinen Länder einzubeziehen, die bislang noch keine große Veranstaltung ausgerichtet und ihn bei der Wahl zum UEFA-Präsidenten gegen Lennart Johansson unterstützt haben.
The Guardian: Auch wenn Michael Platini sich überrascht gegeben hat, wird dies als erster Schritt interpretiert, sein Wahlkampfversprechen einzulösen, Reichtum und Macht im europäischen Fußball breiter zu verteilen. Er umgarnte die osteuropäischen Staaten während seines Wahlkampfes und obwohl die Ukraine seinen Gegner Lennart Johansson unterstützte, wird dieses Ergebnis vielerorts als Rückzahlung der Unterstützung der früheren Sowjetrepubliken gesehen.
The Times: Diese Entscheidung ist ein Triumph für den neuen UEFA-Präsidenten Michel Platini, der die Macht der großen Clubs und Nationen verringern möchte.
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