Dortmund - Bei Borussia Dortmund ist auch nach dem Bekenntnis der Vereinsführung zu Trainer Bert van Marwijk kein Frieden in Sicht. Schon Minuten vor dem Abpfiff der Partie gegen Arminia Bielefeld flüchteten verärgerte BVB-Anhänger in Scharen aus dem Stadion.
Selbst der Last-Minute-Treffer von Alexander Frei zum 1:1 (0:0) konnte sie auf dem Heimweg nur bedingt besänftigen. Nach nur einem Sieg in fünf Heimspielen droht eine Fortsetzung der Trainerdiskussion. Zum Leidwesen von van Marwijk: Man lässt uns und mich nicht in Ruhe. Es gibt Leute, die Spaß daran haben.
Gut eine Woche nach der Aussprache des Niederländers mit Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke hält sich die positive Wirkung auf das Team in Grenzen. Anders als noch beim 1:1 in Nürnberg am vergangenen Spieltag war nur in der Schlussphase der ersten Halbzeit mehr Spielkultur erkennbar. Bis wenige Sekunden vor dem Abpfiff schien Bielefeld dank des vierten Saisontreffers von Artur Wichniarek (68.) dem ersten Auswärtssieg nahe, ehe Frei mit einem von Rotsünder Petr Gabriel verursachten Elfmeter noch der glückliche Ausgleich gelang. Nur deshalb blieb den BVB-Profis ein erneutes Pfeifkonzert vor heimischer Kulisse erspart.
Dagegen wurde Thomas von Heesen von den mitgereisten Bielefelder Fans stürmisch gefeiert. Für die Fortsetzung des Bielefelder Herbstmärchens mit zuletzt fünf Spielen ohne Niederlage machen sie in erster Linie den Trainer verantwortlich. Dennoch denkt die Arminia noch immer nicht daran, die erst für die Winterpause vorgesehenen Vertragsverhandlungen mit von Heesen vorzuverlegen. Und das, obwohl die Arbeit des ehemaligen Profis Begehrlichkeiten anderer Clubs weckt. Gerüchte über Gespräche mit dem BVB dementierte von Heesen jedoch noch im Stadion: Es gibt keine Kontakte.
Auch Stunden nach dem Spiel war dem Coach, der im Dezember seine Prüfung zum Fußball-Lehrer ablegen will, keine eindeutige Antwort auf die Frage nach seiner Zukunft in Bielefeld zu entlocken. Um den sportlichen Erfolg nicht zu gefährden, ist es derzeit besser, die Ruhe zu bewahren und dieses Thema nicht zu kommentieren, sagte er im Aktuellen Sportstudio im ZDF.
Mittlerweile hat auch die Bielefelder Clubspitze erkannt, was sie an ihrem Coach hat. Unser Spiel trägt eindeutig seine Handschrift, lobte Hans-Hermann Schwick. Der Arminia-Präsident sieht gute Chancen, den zum Saisonende auslaufenden Vertrag zu verlängern: Ich habe das Gefühl, dass er gern bleiben würde. Wir haben Einiges zu bieten. Bei Clubs auf gleicher Augenhöhe schlägt das Pendel zu Gunsten von Bielefeld aus. Kommt ein großer Club, wird es jedoch schwieriger.
Die mäßige Vorstellung des Gegners dürfte auch bei Manndecker Heiko Westermann wenig Lust geweckt haben, im kommenden Sommer zum BVB zu wechseln. Nur mit viel Fantasie war eine bessere sportliche Perspektive des Revierclubs erkennbar. Vor allem im eigenen Stadion tut sich die Borussia weiter schwer. Die Spieler sind einfach nicht frei. Das ist fußballerisch zu wenig, klagte Geschäftsführer Watzke.
Schon im Heimspiel gegen Alemannia Aachen bietet sich eine weitere Chance, um bei den leidgeprüften Fans verlorenen Kredit zurückzugewinnen. Gelingt wieder kein Sieg, drohen neue Herbststürme. Noch glaubt Manndecker Christian Wörns an eine baldige Wetterberuhigung: Ich befürchte keine Abwärtsspirale. Der Mannschaftgeist ist in Takt.
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