Wolfsburg - Zwei Tore geschossen und trotzdem sauer: Ungeachtet seiner persönlichen Erfolgserlebnisse konnte sich Schalkes Stürmer Kevin Kuranyi mit dem 2:2 (2:0) beim VfL Wolfsburg überhaupt nicht anfreunden.
Wir haben nicht gewonnen. Da ist es egal, wie viele Tore ich geschossen habe, haderte der 24 Jahre alte Nationalstürmer. Schalke 04 behauptete mit dem Unentschieden zwar die unangefochtene Tabellenführung in der Fußball-Bundesliga, wäre bei einem Sieg aber bereits sieben Zähler vor dem Verfolgerfeld gewesen, das nunmehr der VfB Stuttgart mit fünf Zählern Rückstand anführt.
Die verschenkten zwei Punkte ärgerten auch Trainer Mirko Slomka, auch wenn er sich das nicht anmerken lassen wollte. Nach der starken ersten Halbzeit lagen wir verdient 2:0 in Führung. Schade. Nun müssen wir mit einem Punkt zufrieden sein, sagte der 39 Jahre alte Fußball-Lehrer nach dem Unentschieden, das den Knappen wenigstens einen neuen Vereinsrekord bescherte. Noch nie zuvor war Schalke 04 innerhalb einer Bundesliga-Saison in 13 Spielen in Serie ungeschlagen geblieben.
Die zweite Bestmarke - sieben Siege in Serie - blieb allerdings unangetastet. Regisseur Lincoln wusste ganz genau, warum. In der zweiten Halbzeit haben wir nicht mehr so gut gespielt wie zuvor. Über 90 Minuten können wir das noch nicht, befand der Brasilianer. Lincoln war vor dem Wechsel der Initiator der ansehnlichen Schalker Offensiv-Bemühungen, die folgerichtig in der scheinbar sicheren 2:0- Führung mündeten.
Zunächst köpfte der wiedererstarkte Kuranyi nach zehn Minuten einen Freistoß von Peter Lövenkrands, der nach einer guten Stunde mit einem Bänderriss im rechten Sprunggelenk ausgewechselt werden musste und rund sechs Wochen ausfällt, ins Netz. Dann legte er mit seinem mittlerweile elften Saisontreffer in der 29. Minute nach. Diesen Vorsprung hätten wir nicht mehr aus der Hand geben dürfen, kritisierte der Angreifer, der sein Formtief aus der WM-Saison offenbar endgültig überwunden hat und nach langem Anlauf zum Schalker Publikumsliebling avanciert ist.
Die gut 8000 Schalke-Fans feierten dann auch kräftig mit Meisterschaftsgesängen und Meisterschalen-Imitaten in den Händen. Allerdings zu früh. Die Hausherren zeigten Moral und schafften - angefeuert von den übrigen der 28 346 Zuschauern in der fast ausverkauften Volkswagen Arena - den kaum noch erwarteten Ausgleich. 40 Minuten hat die Mannschaft nicht stattgefunden. Auf Grund der Steigerung in der zweiten Halbzeit geht das Resultat dann aber in Ordnung, sagte VfL-Trainer Klaus Augenthaler erleichtert.
Diego Klimowicz sorgte dank der präzisen Vorarbeit von Marcelinho mit seinen beiden Kopfballtreffern (56., 89.) dafür, dass der Abstand vor der Partie beim kriselnden FC Bayern München zu der unmittelbar gefährdeten Zone einigermaßen gewahrt blieb.
Eine Frage blieb allerdings offen. Der Freistoß von Marcelinho, der zum Ausgleich führte, soll seinen Weg direkt ins Tor gefunden haben. Der Brasilianer kündigte schon einmal an, seinen ersten Treffer im VfL-Trikot ein wenig feiern zu wollen. Das Vorhaben würde Augenthaler angesichts des bewegten Vergangenheit seines neuen Stars wohl einige Bauchschmerzen bereiten. Wen die Statistik künftig als Schützen führt, ist ihm egal: Hauptsache, der Ball war drin.
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