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Spitzenquartett siegt - Bochumer Befreiungsschlag | 2007-04-09


Düsseldorf - Die Fußball-Bundesliga wird auf der Zielgeraden immer kurioser und im Kampf gegen die Zweitklassigkeit immer dramatischer. Das Quartett Schalke, Bremen, Stuttgart und Bayern München macht den Titel unter sich aus.

Das Mittelfeld besteht nach dem 28. Spieltag aus Leverkusen und Nürnberg. Mit dem Tabellensiebten Wolfsburg, der Mainz 05 mit dem 3:2 wieder auf die Abstiegsränge schickte, beginnt die Zone der Gefährdeten, von denen Borussia Mönchengladbach kaum noch zu retten ist.

Werder Bremen kletterte mit dem 1:0 gegen den 1. FC Nürnberg wieder auf Platz zwei und wurde von Club-Trainer Hans Meyer zum Meister-Kandidaten gekürt. Ich sehe den FC Schalke 04 an der Tabellenspitze mit 56 Punkten und nur zwei Punkte dahinter stehen schon die blinden Bremer, bei denen ich auch noch das beste Torverhältnis aller Mannschaften erkenne. Nur noch zwei Punkte, und dann habt ihrs geschafft, rief er seinem Kollegen Thomas Schaaf zu.

Aufsteiger VfL Bochum verließ mit dem 4:1 bei Krisenclub Bayer Leverkusen die Abstiegsplätze. Bayer-Sportchef Rudi Völler war sauer: Diese Lethargie ist furchtbar. Zu behäbig, zu brav, sie stehen nur daneben. Das müssen wir brutal ansprechen. Durch den VfL-Sieg rutschte Arminia Bielefeld auf einen Abstiegsplatz ab.

Wie aggressiv zu Werke gegangen wird, verdeutlichte Christian Wörns. Als beim 4:1 des BVB in Aachen alles entschieden war, ging der Verteidiger seinen Torhüter Roman Weidenfeller heftig an. Doch Wörns bestritt einen Handstreich: Ich habe ihn nicht geschlagen. Trainer Thomas Doll, dem nach 167 Tagen wieder ein Sieg beschieden war, tat das Geschehen ab: Das sollte man nicht überbewerten.

Nach der besten Saisonleistung (Präsident Reinhard Rauball) verließ der Weltpokalsieger von 1997 die Abstiegsplätze und findet sich trotzdem inmitten von Vereinen wieder, die nach unten schauen müssen. Beim noch nie abgestiegenen Hamburger SV strich Trainer Huub Stevens nach dem 2:4 gegen einen fulminant aufspielenden VfB Stuttgart die freien Ostertage. Sein Gegenüber Armin Veh konnte das Gegenteil tun: Das haben sich meine Jungs einfach verdient.

Einstmals ambitionierte Clubs wie Hertha BSC (1:1 gegen Bielefeld) oder Hannover 96 (1:2 gegen Bayern München) sind gefährdeter denn je. Hertha-Keeper Christian Fiedler: Wir sind nicht erst seit heute im Abstiegskampf. Seit acht Spielen warten die Berliner auf einen Sieg, die Fans fordern die Demission von Manager Dieter Hoeneß und Trainer Falko Götz. Das ist eine Phase, wo man damit rechnen muss, dass solche Rufe kommen, sagte Götz.

Die Darbietung von Meister München in Niedersachsen war vor dem Champions-League-Duell mit dem AC Mailand keine Offenbarung. Wenn wir gegen Mailand bestehen wollen, ist eine Steigerung von 50 Prozent notwendig, räumte Trainer Ottmar Hitzfeld Defizite beim 800. Bundesliga-Sieg der Bayern ein. Immerhin zeigte öffentliche Kritik von Manager Uli Hoeneß an Nationalspieler Bastian Schweinsteiger Wirkung. Der Gescholtene rettete per Kopf auf der Linie, schoss das Siegtor und kämpfte um jeden Zentimeter Boden. Speziell angestachelt fühlte sich Schweinsteiger nicht: Ich habe keine Zeitung gelesen, lautete seine von einem Lächeln begleitete Replik.

Bei einem anderen Nationalspieler wurden Glückshormone frei. Schalkes Gerald Asamoah krönte ein halbes Jahr nach seinem Schien- und Wadenbeinbruch den ersten Einsatz von Beginn an mit dem 1:0 gegen Mönchengladbach und hielt Schalke auf Titelkurs. Ich bin schließlich rechtzeitig zur Meisterschaft zurückgekommen, das war mein Plan, sagte Asamoah nach dem 2:0-Erfolg. Für Mönchengladbachs Trainer Jos Luhukay ist die Bilanz verheerend: In neun Spielen gab es nur zwei Erfolge, auswärts blieb die Borussia zuletzt vier Mal ohne Tor und Punkt. Bleibt der Faktor Hoffnung. Luhukay: Wir haben noch vier Heimspiele und müssen alles daran setzen, die zu gewinnen.

Doppelt schlimm traf es die Frankfurter Eintracht. Das 1:3 gegen den auswärts zum dritten Mal in Serie erfolgreichen Aufsteiger aus Cottbus bringt die Hessen in höchste Not. Fataler war die klaffende Risswunde, die sich Christoph Preuß bei einem Zusammenprall mit Keeper Oka Nikolov zuzog. Wenn man sah, wie das Blut lief, war das schon ein Schock, meinte Mitspieler Christoph Spycher, der die 15 Zentimeter lange Wunde von Preuß aus nächster Nähe gesehen hatte.


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