Hamburg/Nyon - Nach 80 Tagen Eiszeit wollen DFB-Präsident Theo Zwanziger und UEFA-Chef Michel Platini mit einem Friedensgipfel am Genfer See die Spannungen zwischen ihren Fußballverbänden beenden.
Ich freue mich auf die Begegnung mit Michel Platini. Es ist eine gute Gelegenheit, um einige grundsätzliche Fragen und auch Missverständnisse der jüngsten Vergangenheit zu erörtern, sagte Zwanziger vor dem Treffen im Hauptquartier der Europäischen Fußball- Union in Nyon. Der DFB-Vorsitzende hatte Platini nach dessen Wahl zum UEFA-Präsidenten Ende Januar in Düsseldorf verbal attackiert und so bislang nicht gekannte Dissonanzen zwischen UEFA und DFB heraufbeschworen.
Zum Chefdiplomaten des Gipfeltreffens wird ausgerechnet der frühere DFB-Präsident und heutige UEFA-Vize Gerhard Mayer-Vorfelder, der gerade durch die Animositäten der Verbandsbosse im Herbst seiner Funktionärskarriere wieder an Einfluss gewonnen hat. Ich habe zu Platini gesagt, Wahlen sind Wahlen. Ob alles glücklich war, was hinterher gesagt wurde, das ist was anderes. Deshalb habe ich auf den Weg gebracht, dass wir das gemeinsame Treffen haben, sagte der bekennende Platini-Freund MV.
Zwanziger hofft durch das Gespräch mit Platini wieder auf mehr Pragmatismus statt Emotionen in den Beziehungen zur UEFA. Ich habe keine Zweifel, dass der DFB in Zukunft vertrauensvoll und gut mit Platini zusammenarbeiten wird, sagte der Jurist. Er wolle klar machen, dass die Repräsentanten des deutschen Fußballs auf internationaler Ebene ihren sachlichen und inhaltlichen Beitrag für eine zukunftsorientierte Kooperation aller Mitgliedsverbände leisten werden. Zwanziger selbst hat noch kein Amt in den internationalen Fußball-Gremien inne. Der DFB wird beim Weltverband FIFA ab Mai durch Franz Beckenbauer und bei der UEFA durch Mayer-Vorfelder vertreten. Den Europa-Posten von MV soll Zwanziger erst 2009 übernehmen.
Andauernde Funkstille zwischen Kontinentalorganisation und größtem Einzelverband könnten sich beide Seiten ohnehin nicht leisten. Gerade der DFB hat Interesse an guten Drähten nach Nyon. Die Bewerbung für die Frauen-WM 2011 geht in die entscheidende Phase und Platini plant bei der UEFA einige Veränderungen, die nicht ohne deutschen Einfluss umgesetzt werden sollten. Wir werden bei unserem Gespräch sicher über das eine oder andere Detail reden, aber grundsätzlich halten wir die geplanten Umstrukturierungen für sinnvoll, sagte Zwanziger.
Neben der angedachten Champions-League-Reform und einer möglichen Aufstockung der EM-Teilnehmer von 16 auf 24 Nationen dürfte dabei vor allem die von Platini vorangetriebene Ausweitung der Präsidenten- Befugnisse ein Thema sein. Entscheidungen dazu sollen schon beim außerordentlichen UEFA-Kongress am 28. Mai in Zürich fallen. Als Zeichen der Annäherung zwischen den Verbänden sind Zwanziger und Generalsekretär Horst R. Schmidt zu einem Vorbereitungstreffen für den Kongress am 3. Mai erneut nach Nyon eingeladen.
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