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Hitzfeld will Kräfte für Stuttgart-Spiel bündeln | 2007-04-16


München - Nach dem mühevollen Arbeitssieg gegen Bayer Leverkusen sprachen beim FC Bayern alle sofort vom Endspiel um die Champions-League-Qualifikation gegen den VfB Stuttgart - nur Oliver Kahn scherte aus und beschwor ein neues Münchner Titel-Wunder.

Unser Fokus ist natürlich auf diesen dritten Platz gerichtet, aber wir wären nicht Bayern München, wenn wir nicht immer komplett an alles glauben würden, was möglich ist, sagte der Kapitän nach dem 2:1 gegen Bayer 04, das Kahn seinen 292. Erstliga-Erfolg bescherte und ihn zum neuen Bundesliga-Rekordsieger vor Manfred Kaltz (291) machte.

Wir wollen jetzt nicht träumen, pfiff Ottmar Hitzfeld seinen Torhüter erst einmal zurück. Der Trainer will in dieser Woche alle Kräfte für die Kraftprobe in Stuttgart bündeln: Jetzt haben wir eine Direkt-Begegnung und können Stuttgart überholen. Wir wollen da gewinnen. Aber auch wenn die Bayern seit dem 19. Spieltag auf dem verflixten vierten Platz fest hängen und bei einer Niederlage in Stuttgart der Albtraum UEFA-Cup wohl Realität werden dürfte, will sich Kahn nicht mit dem Minimalziel Champions League anfreunden.

Der 37-Jährige erinnerte nach seinem 528. Bundesliga-Spiel lieber an Bayern Münchens unvergessliche Titel-Sternstunden wie beim Leverkusener Haching-Trauma 2000 und den ebenfalls in letzter Sekunde vereitelten Schalke-Triumph 2001. Ich habe schon so viel erlebt, sagte Kahn, momentan gewinnen die Teams vor uns permanent, aber irgendwann wird sich das drehen. Es wird noch eine Menge passieren.

Kahn beschwört den Bayern-Mythos - doch besitzt der FC Bayern 2007 das legendäre Sieger-Gen? Den zwei blitzsauberen Toren seiner Holland-Connection Mark van Bommel (30.) und Roy Makaay (47.) hatten die Leverkusener nur das Traumtor (Rudi Völler) von Andrej Woronin (60.) entgegen zu setzen. Aber wie sich die personell ausblutenden Bayern auf dem Zahnfleisch (Makaay) über die Runden retteten, war kein schlagkräftiges Argument für Kahns verwegene Titel-Träumerei.

Das gestand sogar der Torhüter ein: Das ist eine der schwersten Saisons, an die ich mich erinnern kann bei Bayern. Es läuft nie normal - 1:0, 2:0, 3:0. Immer bekommen wir das 1:1, das 2:1. Immer musst du kämpfen bis zur letzten Minute. Immer ist alles sehr eng.

Dieses Zeugnis der Schwäche mahnt die Realisten beim deutschen Meister zur Bescheidenheit. Schließlich hat man bei einem Rückstand von sechs Punkten auf Schalke, vier auf Bremen und zwei auf Stuttgart nur noch das Überflügeln des VfB in eigener Hand. Das ist ein Schlüsselspiel. Es ist die letzte Möglichkeit, im direkten Duell mit einem Konkurrenten Platz drei zu retten, sagte Manager Uli Hoeneß.

Dafür reden sich die Bayern Mut zu und hoffen darüber hinaus auf einen großen Kräfteverschleiß der Stuttgarter im Pokal-Halbfinale beim VfL Wolfsburg. Der VfB hat am Mittwoch eine Extra-Belastung, wir können uns dagegen in aller Ruhe vorbereiten, betonte Makaay, der an sein wankendes Team glaubt: Wir können am Samstag zeigen, dass wir unter die ersten Drei gehören - und das werden wir auch tun.

Hitzfeld muss dabei personell zwangsläufig weiterhin auf ein Auslaufmodell wie Roque Santa Cruz setzen, da Bastian Schweinsteiger im Saison-Endspurt ausfallen wird. Das entzündete Knie schwillt immer wieder an. Es sieht nicht gut aus, berichtete Hitzfeld am Montag und stöhnte: Gerade jetzt könnten wir ihn gut gebrauchen.

Leverkusen kann im Schlüsselspiel um einen UEFA-Cup-Platz dagegen gegen den 1. FC Nürnberg wieder auf die in München gesperrten Nationalspieler Bernd Schneider und Stefan Kießling bauen. Das ist fast ein Endspiel um Platz fünf, meinte Rudi Völler. Trotz der vierten Pflichtspiel-Pleite in Serie hatte der Sportdirektor beim 1:2 gegen die Bayern einen Aufwärtstrend ausgemacht: In der zweiten Halbzeit hat die Mannschaft eine richtig gute Reaktion gezeigt.


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