Cardiff/Wales - Eine Erweiterung der Europameisterschafts-Endrunde 2012 von 16 auf 24 Teilnehmer ist bei der Europäischen Fußball-Union (UEFA) definitiv vom Tisch. Darauf kann sich der Gastgeber einstellen, der am 18. April im walisischen Cardiff aus den Kandidaten Italien, Kroatien/Ungarn und Polen/Ukraine gewählt wird.
Wir haben heute beschlossen, dass es keine Aufstockung auf 24 Länder geben wird, erklärte der deutsche UEFA-Vizepräsident Gerhard Mayer-Vorfelder nach eine Sitzung des Exekutivkomitees. Erst im Januar war beim Kongress in Düsseldorf eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben worden, die Sinn und Nutzen einer Vergrößerung der Teilnehmerzahl prüfen sollte. Ich war immer dagegen. 24 Teams wären die Hälfte, das halte ich einfach für zu viel, bezog Gerhard Mayer-Vorfelder eindeutig Position gegen das Vorhaben. Der UEFA sind derzeit 53 Nationen angeschlossen. Ich halte die Größe von 16 Mannschaften für korrekt. Da ist im Grunde genommen jeder dritte Fußball-Verband in Europa vertreten, erklärte der Stuttgarter. Die EM-Endrunde wurde 1996 auf 16 Starter und 31 Spiele aufgestockt.
Für den Ausrichter im Jahr 2012 wird es durch diesen UEFA-Beschluss organisatorisch einfacher werden. Dies gilt vor allem für die Doppel-Bewerber Kroatien/Ungarn und Polen/Ukraine, die nicht über die Erfahrung und Stadien-Infrastruktur wie die Italiener verfügen. Diese haben immerhin 1968 und 1980 zwei Europa- sowie 1934 und 1990 zwei Weltmeisterschaften ausgerichtet.
Bei der finalen Präsentation ihrer Bewerbungen wollten alle drei Kandidaten in der City Hall von Cardiff vor dem UEFA-Exekutivkomitee noch einmal in die Offensive gehen. Das lange als Favorit gehandelte Italien muss nach dem Liga-Manipulationsskandal und Gewaltexzessen von Hooligans um einen Wahlsieg zittern. Ich bin optimistisch, sagte der italienische Organisationspräsident Luca Pancalli dennoch. Paradoxerweise habe ich keine Bedenken, dass es an uns vorbeigeht. Dies glaubt auch die Gazzetta dello Sport, die auf der Titelseite schreibt: Die EM 2012 wird so gut wie sicher in Italien gespielt.
Heimspiele wollen auch Polen und die Ukraine, deren Präsidenten Lech Kaczynski und Viktor Juschtschenko ihr politisches Gewicht beim nicht-öffentlichen Kandidaten-Finale in die Waagschale werfen wollten. Allerdings beeinträchtigt der Machtkampf zwischen dem ukrainischen Staatsoberhaupt und seinem Regierungschef die EM- Bewerbung stark. Dennoch gibt es viel Sympathie in der UEFA-Spitze dafür, erstmals den Titelkampf nach Osteuropa zu vergeben. Wenn wir zeigen wollen, dass wir ein europäischer Verband sind, müssen wir die EM auch einmal in den Osten geben, meinte Mathieu Sprengers, niederländisches UEFA-Exekutiv-Mitglied.
Auf einen emotionalen Effekt spekulierten bei der Planung ihrer finalen EM-Vorstellung in Cardiff Kroatien und Ungarn. Live sollte der aus Ungarn kommende US-Weltraumtourist Charles Simonyi aus dem All zugeschaltet werden. Eine Fernseh-Botschaft der ungarischen Fußball-Legende Ferenc Puskas, die vor seinem Tode im November 2006 aufgezeichnet wurde, sollte den UEFA-Funktionären zu Herzen gehen und sie positiv stimmen. Ob dies den Makel, dass sich in Ungarn kaum ein Drittel der Bevölkerung für Fußball begeistern kann, aufwiegt, bleibt offen. Es gibt keinen eindeutigen Favoriten. Ich rechne nicht mit der Entscheidung im ersten Wahlgang, meinte Sprengers.
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