Stuttgart - Sein Markenzeichen ist das Trikot mit den langen Ärmeln und manchmal scheint es, als wüchsen dem Mittelfeldspieler des VfB Stuttgart daraus Flügel. Der 22 Jahre alte Roberto Hilbert stürmte derart vehement die Außenlinie rauf und runter, dass er in der Nationalmannschaft landete.
Wenn man ihm Woche für Woche zuschaut, dann sieht man: Er entwickelt sich permanent weiter. Jetzt ist er auch noch torgefährlich geworden, laufstark ist er ohnehin, lobte VfB-Trainer Armin Veh dieser Tage begeistert seinen Musterschüler.
Als einziger Profi der Schwaben hat Hilbert in dieser Saison alle 29 Erstliga-Spiele bestritten. Nachdem er beim 2:1 gegen Hannover 96 den Führungstreffer und damit sein fünftes Tor erzielt hatte, war auch der verletzte Torjäger Mario Gomez, ansonsten kein Freund von Superlativen, ganz aus dem Häuschen über die Topform seines Kollegen: Seht her!, rief er. Das ist unser neuer Maradona.
Hilbert sind solche Sprüche eher peinlich. Ich bin ein Typ, der sich ständig verbessern will und deshalb im Training und Spiel immer Gas gibt, sagt er - und das ist bei ihm keine Floskel. Nach seinem ersten Länderspieleinsatz - 58 Minuten beim 0:1 gegen Dänemark am 28. März - hatte der gebürtige Forchheimer einen kurzen Hänger. Er musste das erstmal psychisch verarbeiten, sagte Veh. Doch dann trat Hilbert mit noch größerem Selbstbewusstsein auf.
Für eine Ablöse von 1,3 Millionen Euro war der Mittelfeldspieler im vergangenen Jahr von der SpVgg Greuther Fürth gekommen und schaffte auf Anhieb den Sprung in die höchste Liga - ein Volltreffer. Hilbert, der als Hobbys schlafen, essen, lesen nennt, gilt auch als Musterprofi - weil er keiner ist, der um die Häuser zieht.
Der Lockenkopf ist ohnehin kein Stadtmensch: Auf dem Land ist es ruhiger und es gibt schönere Gassen für die Kinder zum Spielen. Das sagt der VfB-Aufsteiger nicht ohne Grund, schließlich übernimmt er auch außerhalb des Platzes Verantwortung: Seine Stieftochter Shakira, die seine Frau Saba mit in die Ehe brachte, ist mit 13 nur 9 Jahre jünger als Hilbert. Außerdem hat das Paar den gemeinsamen Sohn Luis (2). Dem muss der Fußballprofi noch nicht erklären, warum er auch bei sommerlichen Temperaturen im Trikot mit den langen Ärmeln schwitzt: Gewohnheit. Sonst fühle ich mich einfach nicht wohl.
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