Nürnberg - Das fränkische Fußball-Hoch hält an, doch der 1. FC Nürnberg richtet sich schon auf einen ungemütlichen Bundesliga-Herbst ein. Scheinbar sind wir dem Druck des Tabellenführers nicht gewachsen, sagte Club-Trainer Meyer nach dem mühsamen 1:1 (1:1) gegen Aufsteiger VfL Bochum.
Mit Humor und überhaupt nicht enttäuscht tat der 63-jährige Coach den ersten Dämpfer dieser Saison als unvermeidlichen Betriebsunfall ab. Ich kann sehr gut damit leben. Denn es war nicht zwingend ein Siegspiel für uns, betonte Meyer und freute sich mit seinem Kollegen Marcel Koller über Bochums ersten Zähler in dieser Spielzeit: Mich haut das 1:1 nicht um, und der VfL hat den Punkt dringend gebraucht.
Das Traumtor des Tschechen Jan Polak, der in der 30. Minute Bochums Führung durch Theofanis Gekas (10.) ausglich, war der einzige Farbtupfer auf der blassen Leistung müder Nürnberger, die den unbequemen Gegner vor 40 240 Zuschauern weder spielerisch noch kämpferisch in die Knie zwingen konnten. Schade, dass mein Tor nicht zum Sieg gereicht hat. Aber ohne Arbeit geht nichts, sagte Polak und sprach damit das entscheidende Manko des Club an, dem es am gewohnt leidenschaftlichen Einsatz und Kampfgeist fehlte. Wir waren nicht frisch, spritzig, scharf und laufbereit genug, meinte Meyer nach seinem 100. Spiel als Bundesliga-Trainer und fügte nach dem ersten Punktverlust in der Nürnberger WM-Arena nach acht Siegen in Folge kritisch hinzu: Wir haben nicht zwingend gespielt und waren nicht in der Lage, Bochum auszuspielen.
Auch mit Tor-Phantom Marek Mintal, der erstmals seit dem 28. Januar wieder in der Startelf stand, und trotz 65 Prozent Ballbesitz brachten die weiterhin ungeschlagenen Franken den Aufsteiger nicht ernsthaft in Gefahr, weil der VfL schon im Mittelfeld dem Meyer-Team keine Räume zum Spielaufbau ließ. Wir haben in der Defensive sehr gut gespielt, lobte Koller seine Abwehr und atmete nach drei Niederlagen zum Saisonstart erleichtert auf: Es ist schön, wenn man vom Tabellenführer einen Punkt mitnimmt. In der Tabelle machte der VfL keinen Boden gut, aber Thomasz Zdebel wertete das 1:1 zumindest als kleinen Befreiungsschlag. Wir brauchen uns nicht zu verstecken, sagte Bochums Kapitän, aber wir müssen die Geduld und die Nerven bis zum letzten Spieltag behalten. Erst dann wird abgerechnet.
Spätestens seit dem Remis gegen Bochum wissen auch die Nürnberger Verantwortlichen, dass der Spitzenplatz nur eine Momentaufnahme ist. Das ist kein Selbstläufer, mahnte Präsident Michael A. Roth, der einen Sieg eingeplant hatte, normalerweise waren drei Punkte fällig, aber einige Spieler waren nicht topfit. Der Trainer wusste doch bis kurz vor Spielbeginn gar nicht, wen er aufstellen konnte.
Meyer ließ die zuletzt erkrankten Markus Schroth (Mandelentzündung) und Iwan Saenko (Nebenhöhlenvereiterung) sowie einige andere leicht angeschlagene Profis auflaufen - mit der ersten Punkteinbuße vor eigenem Publikum seit dem 0:1 gegen Frankfurt am 8. Februar hatte er irgendwie schon vor der Partie gerechnet. Ich habe geahnt, dass ein Spiel kommt, nach dem die Fans nach Hause gehen und sagen: Das war ein Scheißspiel, gab Meyer zum Besten.
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