Frankfurt/Main - Großen Sorgen um Jens Lehmann, Bangen um Bernd Schneider und eine eindringliche Warnung vor Außenseiter Zypern: Das letzte Länderspiel des Jahres wird für die deutsche Fußball-Nationalmannschaft nochmals zum Qualitäts-Test.
Für die EM- Qualifikationspartie am 15. November auf Zypern muss der Bundestrainer seine zuletzt erfolgreiche Elf in jedem Fall umbauen. Nach dem Ausfall von Stürmer Lukas Podolski bereiteten dann auch noch die kurzfristige Krankmeldung von Torwart Jens Lehmann sowie die Verletzungen der angeschlagenen Bernd Schneider (Oberschenkel) und Piotr Trochowski (Achillessehne) dem DFB-Chefcoach Sorgen vor der letzten Dienstreise im WM-Jahr.
Erst kürzlich erreichte Löw die Nachricht von der Grippe Lehmanns, der wegen Fiebers auf einen Ligaeinsatz mit dem FC Arsenal gegen den FC Liverpool verzichten musste. In einem Telefonat sollte erst in den späten Abendstunden entschieden werden, ob der Schlussmann mit der Nationalmannschaft zum Saisonabschluss auf die Mittelmeerinsel reisen kann. Ungewiss war vorerst auch die Einsatzmöglichkeit von Schneider und Trochowski, die nach dem 12. Bundesliga-Spieltag über Blessuren klagten. Der Körper nimmt sich eine Auszeit, verwies der Hamburger Trochowski auf die Überlastungs- Symptome.
Beim Treff von Löws 19 Kandidaten im Frankfurter Hotel Villa Kennedy stand neben einer Regenerations-Trainingseinheit im Kraftraum eine Untersuchung der verletzten Profis durch die medizinische Abteilung an. Eine möglicherweise nötige Nachnominierung soll es aber erst am 13. November geben.
Löw will sein Personal auch nochmals ausdrücklich vor den erstarkten Zyprioten warnen, die vor allem auf Legionäre setzen, die in der Superliga des Europameisters Griechenland ihr Geld verdienen. Das ist der beste Gegner bisher in der Qualifikation, der ist derzeit besser als Irland und die Slowakei, sagte der Bundestrainer der dpa und kündigte an: Das werden wir versuchen, der Mannschaft zu vermitteln und zu zeigen. Entsprechendes Videomaterial ist bereits zusammengestellt.
Klinsmann-Nachfolger Löw weiß genau: Alles andere als ein Sieg gegen den vermeintlichen Fußball-Zwerg von der Götterinsel, die den deutschen Tross mit viel Sonnenschein erwartet, würde der bisher makellosen Bilanz des Bundestrainers (5 Siege in 5 Spielen bei 23:1 Toren) einen schmerzhaften Kratzer versetzen. Vorzeitige Jahresendstimmung wird er deshalb bei erwarteten Temperaturen um 20 Grad nicht aufkommen lassen. Der ehrgeizige Freiburger will sein Team weiter verbessern, um seinem Ziel, dauerhaft in der internationalen Spitze mitzumischen, wieder einen Schritt näher zu kommen.
Erstmals seit dem WM-Halbfinale gegen Italien (0:2) steht der Neu- Bremer Per Mertesacker wieder zur Verfügung. Für Löw eröffnet das zwei Varianten: Entweder der in Mertesackers verletzungsbedingter Abwesenheit zum Abwehrchef gekürte Arne Friedrich rückt wieder auf seine rechte Seite und ersetzt dort den Bremer Clemens Fritz. Wahrscheinlicher dürfte aber sein, dass der zuletzt formschwache Mainzer Manuel Friedrich seinen Platz in der Zentrale räumen muss und Mertesacker mit Arne Friedrich die Innenverteidigung bildet.
Im Angriff streiten der am Wochenende erfolglose Mike Hanke (Wolfsburg) und Oliver Neuville, der sich mit dem 1:1-Ausgleich für Gladbach beim HSV empfahl, um den freien Platz von Podolski. Und falls Schneider, bei Löw wie schon bei Jürgen Klinsmann absolute Stammkraft, zwei Tage vor seinem 33. Geburtstag in Nikosia nicht auflaufen kann, müsste Löw auch dort umbauen. Der zuletzt bei Betis Sevilla aufsteigende Form zeigende David Odonkor könnte als Ersatzmann auf der rechten Mittelfeldseite aufrücken. Für Lehmann stünde Timo Hildebrand als Torwart parat. Hannovers Robert Enke könnte mit einer kurzfristigen Berufung als Ersatzmann rechnen.
Mit einem Sieg in der Neon G.S.P.-Arena von Nikosia, die 22 000 Fans Platz bietet, würde die deutsche Nationalmannschaft nicht nur ein beeindruckendes Jahr erfolgreich abschließen, sondern mit dem vierten Erfolg in der Qualifikation für die EM 2008 auch die Führung in der Gruppe D übernehmen. Bislang rangiert die Löw-Elf mit 9 Zählern einen Punkt hinter Tschechien (10), das aber schon ein Spiel mehr ausgetragen hat. Der Gegner Zypern ist mit drei Zählern abgeschlagen Fünfter, konnte aber beim einzigen Heimspiel einen beeindruckenden 5:2-Erfolg gegen Irland feiern.
Besondere Unterstützung wird die DFB-Elf auf der seit 1974 geteilten Insel von einigen hundert Bundeswehr-Soldaten bekommen. Einige Schiffe der deutschen Marine sind zur Zeit in der zyprischen Hafenstadt Limassol stationiert.
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