Mailand - Peinliche Pfiffe gegen Frankreichs Hymne, ängstliche Spieler und ein wankender Nationaltrainer Roberto Donadoni - nach dem 0:0 in der glanzlosen WM-Final-Auflage gegen Frankreich bangt Fußball-Weltmeister Italien um seine Teilnahme an der Europameisterschaft 2008.
Was für ein hässliches Spektakel, klagte die Zeitung La Repubblica. Von der bei der WM in Deutschland demonstrierten Grandezza und Selbstsicherheit war vor knapp 83 000 Zuschauern im ausverkauften Mailänder San Siro-Stadion nichts mehr zu spüren. So wurde der bewegende Abschied für den beigesetzten Star-Tenor Luciano Pavarotti zum Höhepunkt des Abends. Die vor dem Anpfiff gezeigten Videos seiner Opernarien erhielten mehr Applaus als die Aktionen auf dem Rasen.
Von Schottland (18) überholt, liegt Italien (17) hinter Frankreich (19) nur noch auf Platz drei in der Qualifikationsgruppe B. Die Auswärtspartie gegen die Ukraine (13) wird für den viermaligen Weltmeister und vor allem für Donadoni zum Schicksalsspiel. Mittelmaß warf der Corriere della Sera Donadoni vor; ein Mittelmaß, das er auf die Squadra Azzurra übertrage.
Donadoni kommt nicht aus dem Schatten seines erfolgreichen Vorgängers Marcello Lippi heraus, und auch sein Auftreten ist oft unglücklich. Während die Spieler die Pfiffe ihrer Tifosi gegen die Marseillaise einhellig verurteilten, meinte Donadoni, darüber zu urteilen, sei nicht seine Sache. Ich habe mich geschämt, sagte dagegen Massimo Oddo. Und Kapitän Fabio Cannavaro bat für das schlechte Benehmen zerknirscht um Entschuldigung.
Vor dem Spiel noch hatte er die Fans inständig gebeten, Frankreichs Hymne nicht auszupfeifen, um auf diese Weise gegen die Beschimpfungen von Frankreichs Trainer Raymond Domenech zu protestieren. Der deshalb von der UEFA auf die Tribüne verbannte Domenech hatte die Italiener als Provokateure und Betrüger beleidigt und damit die nach Zinedine Zidanes Kopfstoß gegen Marco Materazzi beim WM-Finale 2006 ohnehin immer noch gereizte Stimmung zwischen den Nationen weiter angeheizt. Wir hatten keinen herzlichen Empfang erwartet, aber das ging zu weit, sagte Bayern-Star Franck Ribery. Brandstifter Domenech nahm die Pfiffe dagegen gelassen und den Punkt gerne mit. Für die EM sieht es jetzt sehr gut aus, meinte er.
Wir haben Frankreich die Stirn geboten, redete Donadoni das 0:0 an seinem 44. Geburtstag schön. Dagegen äußerten sich sogar seine Spieler enttäuscht und selbstkritisch. Wir waren zu ängstlich, kritisierte Cannavaro, der als bester Italiener auf dem Platz brillierte wie zuletzt beim WM-Triumph in Berlin.
Außer einer Chance von Filippo Inzaghi brachten die gerade erst in die Saison gestarteten Azzurri gegen die nach sieben Liga- Spieltagen viel besser eingespielten Franzosen nicht viel zustande. Da muss mehr kommen, forderte die La Gazzetta dello Sport. In Kiew steht Donadoni mit seinem Team mächtig unter Erfolgsdruck. Und dies ohne den gesperrten Kämpfer Gennaro Gattuso und den wahrscheinlich mit einer Wadenprellung ausfallenden Regisseur Andrea Pirlo. Auch der Einsatz von Bayern-Stürmer Luca Toni bleibt ungewiss.
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