Frankfurt/Main - Eintracht Frankfurt überrollt und Werder Bremen im Fernduell überholt: Der VfB Stuttgart ist derzeit nicht zu bremsen und kann als neuer Tabellenzweiter der Fußball-Bundesliga Kurs auf die deutsche Meisterschaft nehmen.
Ich habe vor zwei Jahren gesagt, dass ich mich gern mit einem Titel verabschieden würde. Es wäre ein Traum und ein Wunsch, wenn wir das mit der Mannschaft realisieren könnte, sagte der nach dieser Saison den auch noch im Viertelfinale des DFB-Pokals stehenden VfB verlassende Nationaltorwart Timo Hildebrand nach dem 4:0 (3:0) bei der Frankfurter Eintracht. Wenn wir weiter so spielen, wird es schwer, uns da oben wegzukriegen, glaubte der am Freitag erneut bärenstarke Jung-Nationalspieler Mario Gomez nach dem höchsten Saisonsieg.
Phasenweise spielten die Stuttgarter wie schon sechs Tage zuvor beim 4:1-Erfolg über die nun zwei Punkte hinter Stuttgart (44) liegenden Bremer (42) begeisternden Fußball. Dabei drohten die VfBer unmittelbar vor dem Spiel in Frankfurt noch aus der Erfolgsspur nach zuvor drei Siegen in Serie zu geraten. In ihrem Mannschaftsbus gerieten sie in einen Stau auf dem Weg zur Commerzbank-Arena, die mit 46 000 Zuschauern gefüllt war. Trainer Armin Veh schwante schon Böses: Beim 1:4 in Nürnberg zum Rückrundenauftakt - die bis dato letzte Niederlage - war die Mannschaft auch mit Verzug angekommen. Fast sinnbildlich aber, dass die Schwaben derzeit einen Ausweg finden: Kurzerhand bog der Bus ohne Polizeieskorte auf die entgegenkommende Spur ab. Die Autos, die uns entgegen kamen, haben das nicht ganz verstanden, meinte Manager Horst Heldt.
Vollauf zufrieden war Coach Veh, der sich davor hütet, neue Ziele, sprich die Meisterschaft, öffentlich zu formulieren, aber nicht. Vor dem 3:0 habe seine Mannschaft zu leichtsinnig gespielt. Es war nicht alles eitel Sonnenschein, meinte er, nachdem Roberto Hilbert (2. Minute), Mario Gomez (16.) mit seinem 13. Saisontreffer, Ricardo Osorio (44.) und Thomas Hitzlsperger (78.) für den auch in dieser Höhe verdienten Sieg gesorgt hatten. Auch Manager Heldt wollte keinen neuen Kurs ausgeben. Wir brauchen nicht nach außen rumprahlen, so Heldt und hob mahnend den Finger: Im Erfolg macht man Fehler.
Allerdings vermitteln die Profis trotz ihres Höhenflugs auch die geforderte Bodenständigkeit. Wir müssen auf dem Teppich bleiben - wir hatten auch dieses Jahr schon Aussetzer, betonte Keeper Hildebrand einen Tag nach der Partie im ZDF-Sportstudio, nachdem feststand, dass der Rückstand auf Spitzenreiter FC Schalke 04 auf fünf Punkte geschmolzen und der Vorsprung auf Titelverteidiger Bayern München auf sieben Zähler angewachsen war. Vor zwei Jahren sei der VfB in einer ähnlich aussichtsreichen Situation auch schon mal eingebrochen, so Hildebrand, der noch einmal bestätigte, dass er sich nach dieser Spielzeit definitiv ins Ausland verabschieden wird.
Dem freitäglichen Gegner Frankfurt könnte indes der Abschied aus dem Oberhaus drohen. Das sechste Heimspiel nacheinander ohne Sieg, nur drei Punkte aus den ersten fünf Rückrundenspielen - die Eintracht befindet sich im freien Fall. Dieses Ergebnis tut weh, gab der Vorstandsvorsitzende Heribert Bruchhagen zu. Wir sind nicht reif genug, meinte Mittelfeldspieler Albert Streit.
Mittendrin im Abstiegskampf sei man nun, befand Trainer Friedhelm Funkel, dessen Team bisweilen wirkte, als habe es Zielwasser mit K.o.-Tropfen verwechselt. Durch Stuttgarter Unachtsamkeiten ermöglichte Chancen wurden kläglich versiebt. Über weite Strecken wirkte die Mannschaft leblos, auch wenn Funkel ein Aufbäumen ausgemacht haben wollte. Die Fans sahen es anders und pfiffen ihre Mannschaft gnadenlos aus.
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