Madrid - Aus Real Madrids weißem Ballett scheint ein weißer Zirkus geworden zu sein. Vor wenigen Jahren rissen die Königlichen mit Fußballkünstlern wie Figo oder Zidane ihre Fans zu Begeisterungsstürmen hin, heute ernten sie nur noch Stauen und Kopfschütteln.
Ausgerechnet vor dem Champions-League-Spiel gegen Bayern München, dem wichtigsten Spiel der Saison, erreichte das Chaos beim spanischen Rekordmeister einen neuen Höhepunkt.
Die Gerüchte und Spekulationen um einen angeblichen Rücktritt von Trainer Fabio Capello überschlugen sich. Bei Anpfiff des Achtelfinalhinspiels gegen den FC Bayern war weder den Zuschauern im Bernabéu-Stadion noch den Real-Stars um David Beckham und Raúl klar, ob der Italiener am 21. Februar noch das Training bei den Madrilenen leiten würde. Capellos Schicksal ist besiegelt, wusste das Sportblatt Marca am Vortag zu berichten. Die Ablösung des Italieners ist eine Frage von Stunden.
Das Schlagerspiel gegen den Erzrivalen aus München hatte die Real-Fans eigentlich von der schweren Krise ihres Vereins ablenken sollen, aber daraus wurde nichts. Eine Nachricht des Senders Cadena COPE löste neuen Wirbel aus. Capello habe seinen Rücktritt erklärt, meldete die kirchliche Rundfunkanstalt. Nach dem Bayern-Spiel werde der Coach vom früheren Real-Profi Míchel abgelöst.
Real dementierte den angeblichen Rücktritt, konnte damit aber niemanden so recht überzeugen. Capello hat uns weder schriftlich noch mündlich seinen Rücktritt erklärt, betonte Vorstandssprecher Miguel Ángel Arroyo. Ob der Trainer auch im Lokalderby bei Atlético Madrid noch auf der Bank sitzen wird, wollte er aber nicht bestätigen. In dieser Welt des Fußball kann man nichts garantieren.
Capello war mit seiner Defensivtaktik und dem 1:0-Fußball bei den Real-Fans nie besonders beliebt. Die Madrilenen verlangen von ihrer Elf nicht nur Siege, sondern auch ein mitreißendes Spiel. Real ließ zuletzt jedoch beides vermissen. Im Winter kaufte der Club für 65 Millionen Euro neue Spieler wie die jungen Argentinier Fernando Gago und Gonzalo Higuaín. Capello zog dann aber doch die alte Garde um den Ex-Leverkusener Emerson vor.
Damit löste er nach Angaben der Sportpresse einen Krach mit Sportdirektor Pedja Mijatovic aus, bei dem der Italiener mit seinem Rücktritt gedroht haben soll. Am liebsten hätte Capello die Brocken noch vor dem Spiel gegen die Bayern hingeschmissen, heißt es. Der Italiener wollte aber nicht gratis gehen. Bei einer Entlassung durch den Club stünde ihm eine Abfindung von 16 Millionen Euro zu. Dieses Geld will Real nicht zahlen. Solange beide Seiten sich über die Abfindung nicht einigen, bleibt Capello im Amt, schrieb Marca.
Die Zeitung El Mundo wusste zu berichten, Bayern München habe bei der Suche nach einem Trainer für die nächste Saison Kontakt zu Capello aufgenommen. An dieser Nachricht dürfte aber wenig dran sein, denn die Münchner hatten die Devise ausgegeben, dass ihr neuer Coach die deutsche Sprache beherrschen muss. Capello spricht nicht einmal Trapattoni-Deutsch. Sprachliche Motive hatten auch Bayern-Trainer Ottmar Hitzfeld in der Vergangenheit daran gehindert, für Real zu arbeiten. Er hatte nach eigenen Angaben 1997 und 2004 Angebote aus Madrid erhalten, wegen mangelnder Spanisch-Kenntnisse aber abgesagt.
Für Capello könnte die Partie im Bernabéu-Stadion der Abschied von der internationalen Bühne gewesen sein, für Hitzfeld bedeutete sie eine Rückkehr. Vielleicht hat der Mythos Real Madrid im Hinterkopf eine Rolle gespielt. Das sind immer besondere Spiele, sagte Hitzfeld zu seinem Comeback als Bayern-Trainer.
Bei den Madrilenen wird Bernd Schuster, derzeit in Diensten des spanischen Erstligisten FC Getafe, als Favorit für das Traineramt in der kommenden Saison gehandelt. Auch beim FC Bayern war der Ex- Weltklassespieler ins Gespräch gebracht worden. Hitzfeld meinte zu den Perspektiven des blonden Engels: Ich glaube schon, dass er einer Mannschaft ein Gesicht geben kann und irgendwann bei einem großen Club landen wird.
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